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Montag, 29. Februar 2016

From Fiction to Fact: Jimi-Hendrix-Museum in London

»Wusstet ihr, dass Jimi Hendrix hier in London kurzzeitig eine Wohnung hatte, die direkt neben dem früheren Haus von Georg Friedrich Händel lag?«
Aus: Tin Pan Alley
 

Und in genau dieser Wohnung eröffnete am 10. Februar 2016 das Londoner Jimi-Hendrix-Museum. Die Eintrittskarten für den ersten Tag waren bereits vorab ausverkauft und die Presse berichtete ausführlich (siehe Foto).
 

Dabei gab es Schlagzeilen wie »How to Handel your Hendrix« in Anspielung auf die - durch ein paar Jahrhunderte getrennten - musikalischen Nachbarn. Die einzelnen Artikel schienen auch fast in einem Wettstreit zu stehen, wer die seltsamsten Fakten und Anekdoten über Jimi Hendrix zusammentragen kann. Oder wusste schon irgendjemand, dass Hendrix gerne Monopoly spielte? Dass sein Vater dachte, es wäre »Teufelswerk«, dass Jimi Linkshänder war? Dass Jimi Kissen und Vorhänge für seine Wohnung ganz spießig bei John Lewis (einem Kaufhaus in der nahen Oxford Street) kaufte? Oder dass er behauptete, er hätte Händels Geist gesehen? Angeblich beschrieb er ihn als »einen alten Typen im Nachthemd und mit einem grauen Pferdeschwanz«.
 

Die Wohnung wurde für insgesamt 2,4 Millionen Pfund renoviert und ausgestattet. Da Hendrix oft Interviews in seiner Wohnung gab, existieren zahlreiche Fotos anhand derer die Einrichtung rekonstruiert werden konnte. Bis hin zu Details wie dem besagten Monopoly-Spiel, einem alten Bang und Olufsen-Plattenspieler und einem Songbook mit Bob Dylan-Songs. Gegenstände, die nicht käuflich erworben werden konnten, wurden extra angefertigt, um dem Original so nah wie möglich zu kommen.
 

Und zum Schluss noch ein finanzielles Kuriosum: Hendrix zahlte Ende der 60er Jahre dreißig Pfund Miete die Woche - heute kostet der Eintritt ins Museum zehn Pfund.
 

Neben dem regulären Museumsbetrieb finden auch regelmäßig Veranstaltungen wie Vorträge und Konzerte statt. Mehr Informationen unter handelhendrix.org

Sonntag, 11. Januar 2015

Demnächst: Tin Pan Alley & Capital Porios



Ein Gitarrendieb macht London unsicher ... eine Leiche im Backstagebereich der Berliner Waldbühne ...

Zwei neue Fälle für die All-Girl-Rockband The Poriomaniacs!

In der Kurzgeschichte Tin Pan Alley reisen Debbie und Myra nach London, um ein erholsames Wochenende zu verbringen. Natürlich kommt alles ganz anders ...

In Capital Porios unterbrechen die Poriomaniacs die Arbeiten an ihrer neuen CD für ein paar Tage, um ein Konzert auf der legendären Waldbühne zu geben. Dass bei der After-Show-Party eine Leiche auftaucht, stand allerdings nicht auf dem Plan!

Tin Pan Alley und Capital Porios demnächst überall, wo es eBooks gibt!
(Und bald auch als Taschenbuch.)

Donnerstag, 8. Januar 2015

Leseprobe Capital Porios


»Ich glaub’s einfach nicht!«, rief Debbie und starrte auf Stellas Laptop. Auf dem Bildschirm war eine Ankündigung für ein zweitägiges Open-Air-Festival auf der Berliner Waldbühne zu sehen. Ganz oben prangte der Schriftzug der Poriomaniacs, die an Tag eins als Headliner auftreten würden.
Doch es war nicht Begeisterung über den kommenden großen Auftritt, die die Reaktion von Leadsängerin und Rhythmusgitarristin Debbie hervorgerufen hatte. Natürlich freute sich Debbie - genauso wie ihre Bandkolleginnen Kyla, Myra und Stella - riesig auf das in wenigen Tagen stattfindende Konzert auf der berühmten Waldbühne, doch nun hatte etwas ihre Vorfreude ganz erheblich getrübt.
»Das darf doch nicht wahr sein! Wer hat die nur engagiert?« Debbie griff sich mit beiden Händen in die langen blonden Locken und schlug ihre Stirn gegen die Tischplatte.
»Was ist denn hier los?«, fragte Kyla, die gerade mit einem Becher Kaffee in der Hand den Raum betreten hatte. Fragend sah die Bassistin Schlagzeugerin Stella an. »Sieht Debbie endlich ein, dass ihre neuen Songs nichts taugen?«
Stella schüttelte den Kopf und drehte ihren Laptop so, dass Kyla den Bildschirm sehen konnte. Dann tippte sie mit dem Zeigefinger auf den Namen einer Band, der einige Zeilen unter dem der Poriomaniacs stand.
Kyla trat näher heran und beugte sich vor, um zu lesen, was da stand. »The Honking Hornberries«, las sie halblaut vor. »Was ist das denn für ein bescheuerter Bandname?«
Debbie stöhnte laut und theatralisch auf. Kyla sah erst ihre offensichtlich verzweifelte beste Freundin - von der sie allerdings nur den Hinterkopf sehen konnte, da Debbie immer noch mit der Stirn die Tischplatte küsste - und dann Stella an. »Was denn?«, fragte sie und zog eine Augenbraue hoch.
»Weißt du das denn gar nicht? Das ist die Band von Debbies Ex Dirk!«, informierte Stella sie.
Kyla schlug sich die freie Hand vor die Stirn. »Ohmegod, Dirk! Den gibt’s auch noch? Diesen Vollpfosten hatte ich vollkommen verdrängt. Der spielt bei den Honking Hornberries? Und die dürfen mit uns auf der Waldbühne auftreten?«
Erneut stöhnte Debbie laut auf. Doch nun hob sie den Kopf von der Tischplatte und sah Kyla mit waidwundem Blick an. »Ich wollte diesen, diesen ...« Die sonst so schlagfertige und wortgewandte Debbie suchte nach Worten. »... Saftsack nie, nie wieder sehen. Und jetzt muss ich mir mit dem am Samstag eine Bühne teilen«, klagte sie.
»Naja, jetzt übertreib’s mal nicht«, meinte Kyla. »Die spielen als zweites und wir beschließen den Abend. Dazwischen treten noch eins, zwei, drei, vier weitere Bands auf, von Bühne teilen kann also keine Rede sein.«
»Wir könnten ja Tommi bitten, dass er vor unserem Auftritt noch mal feucht durchwischt«, schlug Stella vor. »Damit auch die letzten Dirk-Bazillen beseitigt sind.«
»Na, da kann er aber einen großen Eimer Desinfektionsmittel mitbringen«, kommentierte Kyla trocken.
Debbie rang sich ein kleines Lächeln ab. »Das will ich sehen, wie Tommi die Waldbühne wischt.«
Tommi war der langjährige Tourmanager der Poriomaniacs, mit dem alle vier Bandmitglieder eine höchst emotionale Hassliebe verband. Bis jetzt hatte Tommi es allerdings geschafft, nicht gefeuert zu werden - was aber zu einem guten Teil einfach nur am Mangel an Alternativen lag.
»Aber was mach ich, wenn der Backstage rumhängt? Ich brauche Bodyguards, mindestens ein halbes Dutzend!«
»Bodyguards? Wieso brauchst du Bodyguards?«, ließ sich eine Stimme von der Tür her vernehmen. Jetzt hatte auch Leadgitarristin Myra den Aufenthaltsraum betreten, in dem die Poriomaniacs sich gerade ein wenig von den Arbeiten an ihrer neuen CD erholten.
»Ein besonders doofer Exfreund von Debbie tritt auch beim Festival auf«, sagte Stella.
Myra ließ sich auf das Sofa fallen und streckte die Beine aus. »Ohoh, ganz schlecht«, kommentierte sie.
Debbie tippte mit einem Fingernagel gegen Stellas Computerbildschirm. »Kann man die nicht noch irgendwie feuern? Ich mein, eine Band, die sich The Honking Hornberries nennt, dürfte man doch eigentlich sowieso nicht rauslassen.«
»Stimmt, die gehören alle in eine geschlossene Anstalt«, hieb Kyla in die gleiche Kerbe wie Debbie.
»The Honking Hornberries?«, ließ sich Myra aus dem Hintergrund vernehmen. »Hatten die nicht erst vor ein paar Monaten einen Riesenhit? Wie hieß der Song noch gleich ...«
»Pictures of You and Me«, antwortete Stella.
»Was, diese abgeschmackte Pseudo-Ballade ist von denen?«, staunte Kyla. »Das hatte ich gar nicht mitgekriegt.«
Stella zog den Laptop zu sich heran und ließ die Finger über das Keyboard gleiten. »Da schau«, sagte sie und zeigte Kyla die Produktseite eines großen Onlinehändlers.
Links prangte eine Abbildung des Singlecovers, daneben befanden sich Informationen zum Song, ein Link zu den für den Song abgegebenen Bewertungen und ein Kauf-Button.
»Verdammt viele Sterne für so einen Scheißsong«, ätzte Kyla.
»Los, scroll runter und klick an, dass der Verkauf dieses Produktes für dich nicht akzeptabel ist«, schrie Debbie und fuchtelte mit den Armen.
Kyla prustete los. Debbie sah aber auch zu lustig aus, wie sie da wild herumgestikulierte, mit zerzausten Haaren und irrem Blick.
»Soll ich nicht lieber auf die Hörprobe klicken?«, stichelte Stella.
»Untersteh dich«, brüllte Debbie.
»Ich weiß gar nicht, was du hast«, meinte Kyla. »Der Text von Pictures of You and Me ist auch nicht mehr oder weniger kitschig als das, was du hier so angeschleppt hast.«
Mit diesen Worten wies Kyla auf einen Stapel mit Ausdrucken, der neben Debbie auf dem Tisch lag. Auf dem obersten Blatt hatte Debbie sich gerade Notizen gemacht, als Stella mit ihrem Laptop und der niederschmetternden Neuigkeit, dass die Hornberries auch beim Festival auftreten würden, ankam.
»Jaja, mach mich nur fertig«, grummelte Debbie und griff nach ihren Songtexten. »Als wäre es nicht schlimm genug, dass ich diesen Arsch von Dirk sehen muss ...«


Wird es Debbie gelingen, Dirk aus dem Weg zu gehen? Und warum schreibt sie plötzlich so komische Songtexte? Um Capital Porios kostenlos zu lesen, trag dich einfach für meinen Newsletter ein und du erhältst Capital Porios als eBook (mobi oder ePub) per E-Mail: http://bit.ly/freePorio

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Demnächst: The Poriomaniacs - Capital Porios - Cover Reveal

Eine Leiche im Backstagebereich der Berliner Waldbühne - ein Fall für die All-Girl-Rockband The Poriomaniacs.

Debbie, Kyla, Myra und Stella arbeiten intensiv an ihrer neuen CD. Nur kurz wollen Sie die Aufnahmen unterbrechen, um bei einem Festival auf der legendären Waldbühne aufzutreten. Ihr Konzert ist ein voller Erfolg, doch dann wird die allgemeine Hochstimmung empfindlich getrübt: Tourmanager Tommi findet eine Leiche im Gebüsch.


Kommen die Poriomaniacs dem Mörder auf die Spur? Wird Debbie ihre Schreibblockade überwinden? Und warum lernt Kyla so eifrig Spanisch? All diese Fragen beantwortet Capital Porios.

Capital Porios - ein Chick-Lit-Krimi - erscheint im Januar 2015.

Montag, 29. Dezember 2014

Demnächst: The Poriomaniacs - Tin Pan Alley - Cover Reveal



London wird von einer seltsamen Diebesserie heimgesucht: Jemand klaut ausschließlich Gitarren, die einst Jimi Hendrix gehörten.

Als Debbie und Myra während eines Kurzaufenthalts in London von diesen Diebstählen erfahren, ist es vorbei mit dem eigentlich geplanten Erholungsurlaub. Gemeinsam mit Myras Cousin Matt und dessen Freund Jamie setzen sie alles daran, den Gitarrendieb dingfest zu machen.

Tin Pan Alley - eine Poriomaniacs-Kurzgeschichte - erscheint im Januar 2015.

Freitag, 26. Dezember 2014

Leseprobe: The Poriomaniacs - Wicked Weimar



FREUDE SCHÖNER GÖTTERFUNKEN
(An die Freude)
 
»Ohmeingottistdasgeil«, rang Debbie nach Luft und nach Worten.
»Nu hyperventilieren se ma nich gleich«, versuchte Kyla sie zu beschwichtigen.
Vergeblich. Mit seligem Lächeln auf den Lippen beugte Debbie sich über den Schreibtisch und be­trachtete den Globus, die elegant geschwungene Uhr, die Kerzenleuchter, das filigrane gläserne Tinten­fässchen, die hölzerne Tabaksdose mit der Perlmutt­scheibe auf dem Deckel, das aufgeschlagene, in alt­deutscher Schrift gesetzte Buch und schließlich das Manuskriptblatt, das da lag als wäre der Verfasser ge­rade erst von seiner Arbeit aufgestanden, hätte diese nur kurz unterbrochen und würde jeden Moment wie­der zur Tür hereinkommen und wäre nicht schon seit zwei­hundert Jahren tot. Sogar der Federkiel lag noch da, quer über dem Monolog der Marfa aus dem zwei­ten Akt des Demetrius. Man musste schon genau hin­sehen, um zu bemerken, dass keine feuchte Tinte am Federkiel klebte und dass die Manuskriptseite nicht das Original sondern ein Faksimile war und unter Glas lag.
Debbie konnte sich kaum losreißen. Langsam ließ sie ihren verzückten Blick wandern. Die drei grünen Bü­cherregale an der Längsseite des Raumes, der Klingel­zug, das schmale Bett ...
»Wie die zu vier Kindern gekommen sind, würd mich auch mal interessieren«, unterbrach Kyla äußerst pro­fan Debbies Gedankengang.
Kylas Blick ruhte ebenfalls auf dem handtuchschmalen Bett, das in der Ecke hinter Schillers Schreibtisch stand.
Empört funkelte Debbie sie an. »Denkst du eigentlich immer nur ans Poppen? Spürst du nicht den Hauch der Geschichte, der uns hier umweht?«
»Hm, ja, 's zieht 'n bisschen ... Sind Sie denn bald mal fertig mit Kucken? Können wir denn bald mal ge­hen?«, quengelte Kyla.
»Kulturbanausin.« Debbie rümpfte die Nase. »Sie kön­nen ja schon allein ins Hotel gehen - ich schau mir das hier ganz genau an.«
Sie steckte ihr immer noch gerümpftes Näschen ganz tief in ihr neu erworbenes Buch Schillers Wohnhaus in Weimar.
»Ich mein, die Gitarre, die nebenan an der Wand hängt, ist ja wohl nur geil«, lenkte Kyla ein. »Die geh ich mir mal eben nochmal ankucken.«
Debbie folgte Kyla in das sogenannte Gesellschafts­zimmer, die Nase immer noch tief in ihrem Buch ver­graben.
»Die haben Gitarre damals Guitharre buchstabiert«, verkündete sie, »und das Teil ist aus Ahorn-, Fichten- und Ebenholz.«
»Die isch ja sooo kloi«, trällerte Kyla begeistert und legte den Kopf schief, um die seltsamen dicken Saiten besser betrachten zu können.
Debbie blickte von ihrem Buch auf. »Also ich könnt da nicht drauf spielen. Du?«
Kyla schüttelte den Kopf so heftig, dass ihre langen rotbraunen Haare nur so flogen. »Nee, aber Myra bestimmt. Die kann alles spielen, wenn's nur genug Saiten hat.«
Debbie hatte mittlerweile weiter in ihrem Buch ge­blättert. Plötzlich lachte sie auf. »Das muss ich dir vor­lesen: Schillers Sohn Karl hat über seinen Vater ge­schrieben ... da er selten zu Mittag wegen des späten Auf­stehens aß, verband er das Mittag- und Abendessen gewöhn­lich.«
Kylas Augen wurden ganz rund vor Staunen. »Ich hätte nie gedacht, dass es etwas gibt, was ich mit Friedrich Schiller gemeinsam habe!«
Kyla vergaß sogar, dass sie vor ein paar Minuten noch gedrängelt hatte und spähte über Debbies Schulter in das Buch. Aufmerksam studierte sie den Lageplan des zweiten Stockwerks. »Da, im Schlafzimmer und im Ankleideraum waren wir noch nicht.«
Einträchtig wanderten die beiden in Schillers Schlaf­zimmer, dass jedoch zu ihrer beider großen Enttäu­schung bis auf ein Bild und eine eindeutig moderne Stehlampe leer war. »Aber 'ne schücke Tapete«, kommentierte Kyla, die langsam doch auf den Ge­schmack kam.
Im Ankleideraum studierten sie gründlich Schillers Kleiderliste aus dem Jahr 1804, die im Buch abge­druckt war.
»Nein, kuck dir mal das an! Ein Paar lederne Hosen - Lederhosen, Gitarre anner Wand, spät aufstehen - der Typ war 'n Rocker!« Kyla kriegte sich kaum noch ein vor Begeisterung. »Langsam wird mir der Knabe sympathisch! Schade, dass er schon tot ist, ich tät ihm glatt 'ne Freikarte für unser Konzert spendieren.«
 
Am übernächsten Abend würden The Poriomaniacs, die Band von Deborah Lorenz-Feldtkeller, Leadgesang und Rhythmusgitarre, und Kyla-Glädje Sylvass, Lead­gesang und Bass, ein Konzert im Congress Centrum Neue Weimarhalle geben.
Da die kulturbegeisterte Debbie, deren Geschmack extrem weitgefächert war und von Shakespeare bis Quentin Tarantino reichte, noch nie in Weimar ge­wesen war, aber unbedingt einmal auf Schillers und Goethes Spuren wandeln wollte, hatte sie diese sehr frühe Anreise geplant.
Kyla fiel zwar - wie von Debbie richtig festgestellt - eher in die Kategorie Kulturbanausin, hatte sich aber spontan zum Mitkommen entschlossen, als sie im Internet Fotos des Fünfsternehotels sah, das als poriomanisches Domizil in Weimar auserkoren war.
»Bauhaus, Goethe, Schiller und den ganzen andern Kram, von dem du so schwärmst, kannste behalten, aber dieser Whirlpool schreit geradezu nach mir! Und bevor die Tour weitergeht noch zwei Tage Entspan­nung im Luxushotel sind mir grad recht!«
Die Poriomaniacs hatten bereits zwanzig Konzerte ihrer aktuellen Tour absolviert. Bei ihren beiden ersten großen Tourneen hatten sie jeweils über dreißig Kon­zerte am Stück gespielt und immer nur hie und da einen Day Off eingestreut. Der ging dann meistens für die Anreise zum nächsten Konzertort drauf. Solche Strapazen wollten sie sich nicht wieder antun, darum hatten sie diesmal ihre Tour in zwei Teile unterteilt und zwischendurch zwei Wochen Konzertpause eingeplant.
Doch Urlaub war für die Poriomaniacs trotzdem nicht angesagt gewesen in diesen vierzehn Tagen. Vor ein paar Tagen war die zweite Singleauskopplung aus ihrer neuen CD Hot & Bothered erschienen, ein Song mit dem Titel Love is a Lonely Business. Natürlich musste ein Videoclip gedreht werden und diverse TV-Shows wurden mit der geballten poriomanischen Anwesen­heit beehrt. Vervollständigt wurde das Quartett durch Lead­gitarristin Myra Kuhn und Schlagzeugerin Stella Marconi, die beiden würden aber erst am Tag des Konzertes in Weimar eintreffen. Myra und Stella wollten sich vor dem ersten von vierzehn weiteren Konzerten noch ein wenig zu Hause erholen - und Kyla eben im Fünfsternehotel.
 
Und so hatten Debbie und Kyla also heute Mittag Schlag zwölf im wunderschönen WeimarerDorint Hotel direkt am Park an der Ilm eingecheckt.
Doch aus Kylas Entspannungsplänen wurde vorerst nichts, denn Debbie hatte sie dann doch gnadenlos mitgeschleift, als es an die Erkundung des Klassiker­städtchens ging. Als allererstes stand natürlich ein Be­such im früheren Wohnhaus des von Debbie so leidenschaftlich verehrten Friedrich Schiller auf dem Plan. Und da Debbie alles ganz genau betrachtet hatte, zwei komplette Rundgänge durch das gesamte Haus gemacht und jedes Detail in ihrem Buch über das Schillerhaus nachgeschlagen hatte, hatte diese Besichti­gung natürlich wesentlich länger gedauert als Kyla eigentlich lieb war. Als die beiden wieder an die frische Luft kamen, war es bereits kurz vor achtzehn Uhr. Und während Debbie immer noch ihren schwärme­rischen Gesichtsausdruck zur Schau trug, dachte Kyla mittlerweile nur noch an eins.
»So, und wo gibt's jetzt was Essbares? Möglichst in der Nähe, Sie wissen, ich lauf nicht so gern.«
Debbie gruschtelte den kleinen Weimarstadtplan aus ihrer Handtasche, den sie im Hotel bekommen hatten.
»Wie wär's mit dem Restaurant im Hotel Elephant? Das ist gleich am Markt hier ums Eck.«
Sie setzten sich in Bewegung, doch Kyla hatte Beden­ken. »Ich glaub, das ist mir zu aufgebrezelt. MäcDoof wär mir lieber.« Irgendwas hatte Kyla heute immer zu maulen. Schon fand sie den nächsten Anlass - sie kamen an einem Café vorbei, dessen im Freien ste­hende Stühle und Tische gerade zusammengeräumt wurden und im Laden daneben drehte man gerade das Schild an der Tür um auf Geschlossen.
»Das gibt's ja wohl nicht«, ereiferte Kyla sich. Mit dramatischer Geste sah sie auf ihre Armbanduhr. »Ladenschluss achtzehn Uhr! Wo sind wir denn hier gelandet?«
»Hier zählen halt mehr die geistigen Werte und nicht so sehr das Materielle«, sinnierte Debbie.
Kyla starrte sie sprachlos und komplett genervt an. Normalerweise war Debbie die Shopperin vor dem Herrn und Ladenschluss war eins ihrer persönlichen Un­worte des Jahres aber im Moment schwebte sie min­destens fünf Zentimeter über dem Boden.
Doch dann erblickte Kyla den Marktplatz mit seinen zahlreichen Wurstbuden und war selig. In Windeseile hatte sie eine Thüringer Rostbratwurst erstanden und überzog diese großzügig mit Ketchup. Nun war es Debbie, die etwas zu mäkeln hatte. »In meinem Wei­marreiseführer steht, dass man Thüringer Rostbrat­wurst mit Senf isst, niemals mit Ketchup!«
»Mir doch egal«, schmatzte Kyla, »du bist ja nur nei­disch, weil du grad mal wieder eine deiner vege­ta­rischen Phasen hast!«
Immer noch futternd drehte sie sich im Kreis. »In welche Richtung geht's zum Hotel? Ich hab für heute genuch geseh'n von diesem malerischen Städtchen, jetz hab ich ein Date mit einem Whirlpool und der wartet schon sehnsüchtig auf mich! Morgen kommt Tommi angereist und dann hat man ja doch keine ruhige Minute mehr.«

Mittwoch, 25. Juni 2014

The Poriomaniacs ... machen's kurz: Gratis ebook


Der kostenlose Einstieg in die Welt der Poriomaniacs: Zurzeit gibt es die Kurzgeschichtensammlung The Poriomaniacs ... machen's kurz gratis, u. a. bei amazon.


Die Poriomaniacs, All-Girl-Rockband mit kriminalistischem Faible, verschlägt es in den drei Kurzgeschichten nach Paris, Stuttgart und Genua. Dort müssen sich die Bandmitglieder Debbie, Kyla, Myra und Stella mit Drohbriefschreibern, ermordeten Groupies und Drogenhändlern auseinandersetzen. 

“The Poriomaniacs … machen's kurz” enthält die drei Chicklit-Kurzkrimis “Paris Calling”, “Killesberg? - Killerberg!” und “Genua Rocks” - perfekt, um die Wartezeit auf Capital Porios, den nächsten Roman mit den Poriomaniacs zu verkürzen.

Donnerstag, 29. August 2013

Gratis E-Book: The Poriomaniacs ... machen's kurz


Seit heute nur für einige wenige Tage kostenlos zu haben: Drei Kurzkrimis, die Debbie, Kyla, Myra und Stella nach Paris, Genua und Stuttgart führen.

Link zum kostenlosen Download für Kindle:

In Paris bekommen Kyla und Alejandro es mit einem anonymen Drohbriefschreiber zu tun, was ihnen sogar den Spaß an der Aussicht aus ihrem Hotelzimmerfenster verdirbt.
 

In Stuttgart gerät das Konzert der Poriomaniacs auf der Freilichtbühne am Killesberg in Gefahr, als am Nachmittag vor der Show ein Groupie auf dem Konzertgelände ermordet wird.

 
In Genua schließlich treiben sich die Poriomaniacs mit allerlei zwielichtigen Gestalten an der berühmten Hafenpromenade herum und wickeln dabei auch noch buchstäblich einen Mörder ein.

Montag, 26. August 2013

Out now: The Poriomaniacs ... machen's kurz

Das Taschenbuch ist bereits erhältlich (und zwar hier: http://amzn.to/1fdJpxs), das eBook kommt demnächst.

In Paris Calling bekommen Kyla und Alejandro es mit einem anonymen Briefeschreiber zu tun, in Killesberg? - Killerberg! muss die Band wegen dem Mord an einem Groupie fast ihr Konzert absagen und in Genua Rocks stellen die Porios fest, dass auch in den schönsten italienischen Küstenstädtchen mit Drogen gehandelt wird.

Mittwoch, 21. August 2013

Cover Reveal - The Poriomaniacs ... machen's kurz

Nicht mehr lange bis zum Erscheinungstermin des ersten Bandes mit Kurzgeschichten rund um die Poriomaniacs.
Kyla und Alejandro bekommen es in Paris Calling mit einem anonymen Briefeschreiber zu tun, in Killesberg? - Killerberg! muss bereits vor dem Konzert ein Groupie das Leben lassen und in Genua Rocks greifen die Poriomaniacs beherzt in eine Mordermittlung ein.


Cover-Illustration: © triling - Fotolia.com

Dienstag, 9. Juli 2013

Pretty books all in a row ...

Das gesamte bisherige poriomanische "Werk" hübsch nebeneinander aufgereiht. Demnächst kommt dann noch ein Band mit Kurzgeschichten hinzu ...

Donnerstag, 13. Juni 2013

Leseprobe aus The Poriomaniacs - Rome Eternal

The Poriomaniacs - Rome Eternal erscheint demnächst als Taschenbuch und als e-Book.

Debbie, Kyla, Myra und Stella verschlägt es dieses Mal nach Rom. Dort sollen sie eigentlich nur einen Videoclip vor historischer Kulisse drehen und einen TV-Auftritt absolvieren - doch natürlich kommt alles mal wieder ganz anders ...

Hier das erste Kapitel:


Ready? - Play!


»Ein bisschen überdekoriert hier, findste nicht?«

Kyla ließ ihren Blick durch die Hotellobby schweifen und musste ihrer Bandkollegin Debbie recht geben: Wer auch immer für die Einrichtung des Gran Hotel Parco dei Principi verantwortlich zeichnete, er hatte sich wahrlich die größte Mühe gegeben, dem Besucher alles vorzu­führen, was Rom stilmäßig von der Antike bis zur Re­naissance zu bieten hatte.

Da tummelten sich antikisierende Büsten, Statuen und Vasen zwischen mit Brokatstoff bezogenen Sesseln und Sofas, von der Decke hingen Kristalllüster und an den Wänden Ölgemälde, bei deren Anblick jeder wahre Renaissancekünstler im Grabe rotieren würde. Hier hatten nicht nur die üppig gerafften Gardinen eine Goldkante, hier war Blattgold eingesetzt worden, wo es nur ging.

Den beiden anderen Bandmitgliedern, Myra und Stella, schien es bei diesem Anblick vollständig die Sprache verschlagen zu haben.

Mit offenen Mündern und staunenden Augen folgten sie Debbie und Kyla über den spiegelblanken, Marmor imitierenden Boden zum Rezeptionstresen, hinter dem sie bereits ein Hotelangestellter in dunkel­blauer Uniform erwartete.

»Das ist ja schlimmer als Gelsenkirchener Barock«, flüsterte Kyla Debbie ins Ohr, »das ist Römischer Overkill!« Debbie kicherte, wurde aber schnell wieder ernst.

»Also, wenn die Zimmer genauso eingerichtet sind, weiß ich nicht, ob ich hier wohnen kann!«

»Wer weiß, vielleicht sehen in Rom alle Hotels so aus? Schicke Designhotels im minimalistischen Stil sind hier vielleicht gesetzlich verboten?«

Debbie, Kyla, Myra und Stella - gemeinsam The Poriomaniacs - waren nach Rom gekommen, um einen Videoclip zu ihrer neuesten Single A Little Left of Heaven zu drehen. Außerdem standen ein Auftritt im italienischen Fernsehen und diverse Pressetermine an.

Während Debbie und Stella schnurstracks am Flügel vorbei durch die großen Glastüren nach draußen eilten, um den Hotelpool zu besichtigen und Myra den Antransport des gesammelten porio­manischen Gepäcks überwachte, ließ Kyla sich in einen der üppig ge­polsterten Sessel neben der Rezeption fallen.

Die Check-in-Formalitäten überließen die Porios lieber ihrem langjährigen Tourmanager Tommi, mit dem alle Bandmitglieder eine tiefe Hassliebe verband. Während also Tommi mit sämtlichen Reisepässen an der Rezeption stand und die Meldescheine ausfüllte, blickte Kyla sich intensiv in der Lobby um.

Debbie hatte recht, wer auch immer hier als Innen­architekt tätig gewesen war, hatte selten wenig Ge­schmack. Der Sessel, in dem sie gerade eher lag als saß, hatte doch allen Ernstes Troddeln. Troddeln! Aber wenigstens war das hässliche Teil bequem. Kyla fläzte sich noch ein bisschen tiefer in die Polster.

Quer gegenüber befanden sich die beiden Hotel­aufzüge - natürlich mit goldenen Türen. Eine dieser Lifttüren glitt gerade auf, als Kylas träger Blick sie streifte. Gerade wollte sie ihren Blick schon weiter wandern lassen, da legte sie stattdessen einen lupen­reinen, hollywoodreifen Double-Take hin: Was war das denn? Oder vielmehr: Wer war das denn? Da stieg doch gerade der absolute Wahnsinn eines Mannes aus dem Aufzug.

Kyla war plötzlich hellwach, setzte sich gerade hin und spähte aufmerksam quer durch die Lobby. Der Traumtyp hatte sich zielstrebig nach links gewandt und verschwand aus Kylas Sichtfeld. Das durfte natürlich nicht sein, dass sie ihn gleich wieder aus den Augen verlor, wo sie ihn doch gerade erst entdeckt hatte. Und Kyla hatte in ihrem Leben schon jede Menge Männer entdeckt, aber so einer war ihr noch nie unter­gekommen. Etwas längere schwarze, leicht gelockte Haare, dunkler Teint und eine Figur ... eine Figur zum Niederknien!

Kurz entschlossen wuchtete Kyla sich aus ihrem Sesselmonster und stöckelte hinterher. Der Schöne war in einem langen Gang, dessen Wände hellgrüne Seidentapeten und unzählige auf alt getrimmte Öl­schinken zierten, verschwunden. Etwas ratlos sah Kyla sich um, da fiel ihr Blick auf ein zwar kleines, aber nicht gerade dezentes Goldschild, das in ver­schnörkelter Schrift verkündete, dass sich das Hotel­restaurant geradeaus und der Fitness Room links um die Ecke befände.

Ah, klar, dachte Kyla, dieser Body muss natürlich in Form gehalten werden. Kurz blieb sie unentschlossen vor dem Schild stehen und kaute nachdenklich auf ihrem rechten Daumennagel herum. Doch wenn es um das Aufreißen von Männern ging, hatte Kyla lang­jährige Erfahrung und darum dauerte es nicht allzu lange und sie hatte den perfekten Plan. Eilig kehrte sie in die Lobby zurück.

Tommi hatte mittlerweile alle Anmeldeformalitäten erledigt, das Gepäck war zu Myras vollster Zufriedenheit in die Lobby befördert worden und die beiden Hotelpagen hatten genaue Anweisungen bekom­men, auf welche Zimmer welche Gepäck­stücke zu verbringen wären.

Auch Debbie und Stella kehrten gerade angeregt plaudernd von ihrer Pool-Besichtigungstour zurück. Tommi verteilte die Zimmerschlüssel, Kyla schnappte sich das Papp­etui mit dem aufgedruckten Hotellogo, das die Schlüsselkarte für Zimmer 315 enthielt, und hängte sich bei Stella ein. Gemeinsam steuerten sie auf den Lift zu. Kylas plötzliche Anhänglichkeit löste bei Stella leichtes Befremden aus.

»Was ist denn mit dir los?«

»Liebste Stella, du müsstest mir ganz schnell einen ganz dringenden Gefallen tun«, flötete Kyla und drückte auf den Knopf mit der 3.

Als sich im dritten Stock die Lifttüren öffneten, stürmte Kyla voran in Richtung Stellas Zimmer.

»Was hast du denn?«, maulte Stella und schob die Schlüsselkarte in den Schlitz neben der Tür. Kyla drückte die Tür auf, rannte fast ins Zimmer und stürzte sich auf Stellas Gepäck.

»Wo sind deine ganzen Sportklamotten drin?« Ohne auf eine Antwort zu warten, wuchtete sie eine von Stellas Taschen auf das Bett und wollte sie öffnen. Aber natürlich hatte Stella ihre Habseligkeiten mit einem kleinen Vorhängeschloss vor unbefugtem Zu­griff ge­sichert. Ungeduldig winkte Kyla Stella zu. »Schlüssel!«, forderte sie.

Kopfschüttelnd kramte Stella in ihrer Handtasche und warf Kyla einen kleinen silbernen Schlüssel zu. »Verrätst du mir vielleicht auch mal, was das Ganze soll? Warum bist du so scharf auf mein Gepäck? Pack doch erstmal dein eigenes aus.«

Während Kyla den Reißverschluss der Tasche aufzog, ließ sie sich endlich zu einer Erklärung herab. »Du musst mir unbedingt ein paar von deinen Fitness­klamotten leihen. Die haben hier einen ganz tollen Fitnessraum, da muss ich unbedingt sofort hin!«

Skeptisch zog Stella die Augenbrauen hoch. Kyla hasste Sport und das war allgemein bekannt. Kyla ging nur ins Fitnessstudio, wenn es gar nicht anders ging. »Du willst in den Fitnessraum? Jetzt sofort?«

Kyla nickte so eifrig, dass ihre langen rotbraunen Haare nur so flogen, während sie den Inhalt von Stellas Reisetasche einer ersten Musterung unterzog.

Als sie anfing, wahllos Kleider aus der Tasche zu ziehen und auf das Bett zu werfen, hatte Stella genug. Bestimmt und nicht allzu sanft schob sie Kyla zur Seite, weg von ihrer Tasche. »Immer mit der Ruhe, ich mach das schon. Die Fitnessklamotten sind in der anderen Tasche.«

Betont langsam stellte Stella die erste Tasche weg und hob ihre kleinere Sporttasche auf das Bett. Eben­so betont langsam suchte sie in ihrer Handtasche nach dem Schlüssel für diese Tasche und schloss das kleine Vorhängeschloss auf. Kyla konnte kaum noch an sich halten und trat vor Ungeduld von einem Bein auf das andere. »Nun mahach schon«, quengelte sie.

Wieder sah Stella sie mit hochgezogenen Augen­brauen an. »Wie wär's, wenn du mir anvertraust, wo­her deine urplötzliche Begeisterung für Fitness kommt?«

Kyla zog einen Flunsch. »Jetzt komm, zier dich nicht so. Rück einfach ein paar Klamotten raus, reden können wir später.«

Endlich hatte Stella die Tasche geöffnet und zog ein knappes schwarz-pinkes Nike-Top heraus. Begeistert riss Kyla es ihr aus der Hand. »Das ist genau, was ich brauche! Schön eng und sexy, jetzt noch was für unten­rum und Schuhe.«

»Ah ja, eng und sexy«, murmelte Stella, die eine ge­wisse Ahnung anwandelte, was Kyla im Fitnessraum vorhatte.

Im Handumdrehen wurde Kylas Outfit mit einer schlichten schwarzen Stretchhose und silbernen Jog­gingschuhen komplettiert. Kyla raffte alles an sich und rannte fast zur Tür. »Vielen Dank! Du kriegst die Sachen so schnell wie möglich wieder«, trällerte sie und schon fiel die Tür hinter ihr ins Schloss.

»Hoffentlich in gereinigtem Zustand«, seufzte Stella und ließ sich auf das Bett fallen.

Auf dem Hotelflur stieß Kyla in ihrer Hast fast mit Debbie zusammen.

»Hey, wohin so eilig?«

»Keine Zeit, wir reden später«, sagte Kyla und wollte sich an Debbie vorbeidrängeln. Doch die hielt sie am Arm fest und musterte sie. »Was hast du denn mit den Klamotten vor?«

»Ich sag doch: Wir reden später!«, wollte Kyla sie ab­speisen. Doch so leicht ließ sich ihre Co-Frontfrau nicht abwimmeln.

Debbie kniff die Augen zusammen. »Was auch immer du vorhast«, meinte sie in tadelndem Tonfall, »vergiss nicht, dass wir um 17 Uhr den Termin mit unserem Clip Director haben.«

Hauptgrund des Aufenthalts der Poriomaniacs in Rom waren die Dreharbeiten für den Videoclip zu ihrer demnächst erscheinenden Single A Little Left of Heaven. An diesem Nachmittag wollten sie sich mit dem Regis­seur des Clips zu einer Vorbesprechung treffen, um das Konzept für das Video zu diskutieren. Die Dreh­arbeiten sollten dann am übernächsten Abend begin­nen, da ein Großteil des Clips vor der Szenerie des nächtlichen Roms spielen würde.

Bereits am Abend zuvor stand ein Auftritt in einer italienischen Fernsehsendung auf dem Programm. Oder besser gesagt: Die Aufzeichnung für eine der po­pulärsten Samstag-Abend-Shows Italiens. Dort würden die Poriomaniacs ebenfalls ihren Song A Little Left of Heaven zum Besten geben.

»Jaja, keine Sorge, das vergess ich nicht, aber jetzt muss ich wirklich los«, grummelte Kyla, befreite sich von Debbie und hastete davon.

Kopfschüttelnd blickte Debbie ihr nach, als sie um die Ecke verschwand. Da steckt doch sicher schon wieder irgendein Kerl dahinter, dachte sie. Typisch Kyla, kaum ins Hotel eingecheckt, schon hat sie wieder irgendwas am Start.

Im Gegensatz zu Stella hasste Kyla Sport über alles. Sie war der festen Überzeugung, die vielen Live-Kon­zerte der Poriomaniacs, bei denen sie sich regel­mäßig bis an die Grenze der Erschöpfung verausgabte, wären Fitnesstraining genug. Stella hingegen ging fast jeden Morgen joggen, stemmte mit hingebungsvoller Leiden­schaft Gewichte und war die Queen aller Ruder­maschi­nen. Von Stellas passiver Sportbegeisterung ganz zu schweigen: Sie ließ sich kaum eine wichtige Fußball­übertragung im Fernsehen entgehen. Einmal kam sie wegen eines Länderspiels der deutschen Nationalmann­schaft, das in die Verlängerung ging, sogar zu spät zu einem Konzert.

Kyla war wie gesagt das genaue Gegenteil. Deshalb überlegte sie auch während der Liftfahrt krampfhaft, was sie im Fitnessraum anstellen sollte. Sie musste ja erst einmal zumindest so tun, als hätte sie den Fitness­bereich aufgesucht, um zu trainieren.

Sobald sie das Objekt ihrer Begierde dann gesichtet hätte zwischen Hanteln, Steppern, Crosstrainern und all den anderen Foltergeräten, die so ein Fitnessraum be­reithielt, würde sie dann einen gezielten Schlacht­plan entwickeln, um mit diesem Traumtypen ins Gespräch zu kommen.

Hoffentlich steht der nicht gerade auf dem Laufband, wenn ich komme, dachte sie und musterte sich kritisch im Spiegel des Fahrstuhls.

Zum Glück hatten Kyla und Stella fast die gleiche Kleidergröße, nur die Schuhe waren ein wenig zu groß, aber das war egal, denn Kyla hatte ja schließlich auch nicht vor, sich ernsthaft sportlich zu betätigen. Das pink-schwarze Top saß schön knapp und ließ ein wenig von Kylas flachem Bauch hervorblitzen, die hautengen Hosen betonten ihre Kurven. Kyla hätte nie gedacht, dass sie sich in Sportklamotten so sexy fühlen könnte. Die langen rotbraunen Haare hatte sie im Nacken zu­sammengedreht und festgesteckt.

Hoffentlich ergab sich schnell eine Gelegenheit, diesen Latin Lover anzubaggern. Nicht, dass sie sich stundenlang mit Spinning beschäftigen müsste. Dann würde sie zwangsläufig ins Schwitzen geraten, das schicke pinke Top würde hässliche Schweißflecken be­kommen und Kyla am Ende gar einen roten Kopf. Nein, nein, sie würde sich einfach ein Paar möglichst leichte Hanteln schnappen, mit denen sie ein wenig herumhantieren könnte. Betonung auf ein wenig.

Sie reckte das Kinn und überprüfte noch ein letztes Mal ihr Make-up im Spiegel. Der Fahrstuhl machte Pling, sie war im Untergeschoss angekommen, jetzt musste sie nur noch das Objekt ihrer Begierde finden.

Auf in den Kampf, dachte sie, atmete noch einmal tief durch und verließ den Aufzug.

Ihre ganzen Überlegungen hätte Kyla sich sparen können: Als sie den Fitnessbereich betrat, sah sie ihn mit einem Handtuch um den Hals an der Bar stehen, wo er sich gerade ein großes Glas Orangensaft munden ließ.

Super, kein Sport, direkt zum Angriff, freute sich Kyla.

Gesagt, getan.

Zielstrebig steuerte sie auf den Traumtypen zu. Er hatte den Kopf weit in den Nacken gelegt, sodass Kyla seinen braungebrannten Hals bewundern konnte. Faszi­niert beobachtete sie, wie sich ein einzelner Schweiß­tropfen aus den langen schwarzen Locken löste und langsam über seine Kehle rann.

Dir würd ich ja zu gern direkt an die Gurgel gehen, dachte sie. Ich hoffe, du bist willig. Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt. Angesichts so viel klassischer männlicher Schönheit konnte man schon mal Goethe zitieren.

Dann machte er es ihr auch noch leicht. Als er seinen Orangensaft geleert hatte und das Glas ab­stellte, erblickte er Kyla und lächelte sie an.

Sehr gut. Willig. Definitiv willig, dachte Kyla, erwiderte das Lächeln und schwang ihren Hintern elegant auf den Barhocker neben dem Schönen.

»Was immer du da gerade hattest, hätte ich auch gern«, eröffnete sie forsch.

Er setzte sein Glas ab und sah sie groß an. Doch be­reits nach wenigen Sekundenbruchteilen zog ein strah­lendes Lächeln über sein Gesicht.

Kyla lächelte zurück und warf sich in Positur, sodass ihr tiefes Dekolleté bestmöglich zur Geltung kam.

»Hello«, sagte der Schöne und intensivierte sein Lächeln, »I'm Alejandro, nice to meet you.«

»Hi, ich bin Kyla-Glädje, aber nenn mich einfach Kyla«, strahlte Kyla zurück. Dann nickte sie zu seinem leeren Glas. »Und? Bekomm ich jetzt einen Drink?«

»Aber selbstverständlich«, antwortete Alejandro und winkte dem Barista.

Wenig später standen zwei frischgepresste Multi­vitamin­säfte vor ihnen auf dem Tresen und sie waren in ein angeregtes Gespräch vertieft.

Es stellte sich heraus, dass Alejandro aus Kolumbien kam, Tennisprofi war und an den zur Zeit im Foro Italico stattfindenden Italian Open teilnahm. Für morgen war sein Drittrundenmatch angesetzt und im hoteleigenen Fitnessraum hatte er gerade ein paar Aufwärmübungen absolviert, bevor er seine tägliche Laufrunde durch den Park der Villa Borghese starten wollte. Doch angesichts so reizender Gesellschaft konnte die Laufrunde natürlich auch noch ein Weil­chen warten.

Kyla berichtete Alejandro selbstverständlich auch von ihrer eigenen Karriere mit den Poriomaniacs - dass demnächst eine neue Single aus ihrer dritten CD Hot & Bothered erscheinen würde und sie nun zu Videoclip­dreh­arbeiten und Promoaktivitäten nach Rom gekom­men waren.

Natürlich dauerte es nicht lange bis gegenseitige Ein­ladungen ausgesprochen wurden: Kyla würde Alejandro am Abend zur Spielerparty begleiten und ihn am nächsten Tag bei seinem Match anfeuern. Dafür würde Alejandro sich den Auftritt der Poriomaniacs bei Star Taxi, der italienischen TV-Show, ansehen.

Schnell tauschten sie noch ihre Handynummern aus, dann musste Alejandro wirklich sein Training fort­setzen, da gerade schon sein Fitness-Coach mit suchendem Blick aufgetaucht war und tadelnd auf die Uhr blickte.

»Jetzt muss ich leider wirklich gehen, sonst be­komme ich Ärger mit Erubiel«, meinte Alejandro, beugte sich vor und verabschiedete sich mit einem Küsschen auf die Wange von Kyla.

Yes, dachte Kyla triumphierend, das läuft ja wie geschmiert!


Great Shot!


Wie von Sinnen stürmte Kyla in Debbies Zimmer.

»Was hat dich denn gebissen?«, grummelte Debbie, die es sich gerade mit einem Buch auf der opulent gepolsterten Couch bequem gemacht hatte und krampf­haft versuchte, die goldlastige Kitsch-Umgebung auszu­blenden.

Kyla warf sich mit Karacho in einen Sessel und fing an, sich die silbernen Sportschuhe auszuziehen.

Alarmiert setzte Debbie sich auf. »Warst du joggen, oder was? Untersteh dich, hier die Schuhe auszuziehen und mir die Bude vollzumüffeln!«

Kyla winkte ab und streifte die Schuhe von den Füssen. »Nix Sport, das ist nur Maskerade!«

Debbie staunte. »Du verkleidest dich mit Sport­klamotten?«

Kyla holte tief Luft und legte los. In größt­möglicher Ausführlichkeit berichtete sie Debbie sämtliche Details ihrer Begegnung mit Alejandro.

»Er sieht einfach fantastisch aus! Und für heute Abend hat er mich zur Players' Party im ChiChi eingeladen, das ist irgend so ein In-Night-Club hier in Rom. Und morgen werde ich mir sein Match bei den Italian Open anschauen - wie wär's, wenn du mit­kommst! Allein ist mir da sicher langweilig ... also während des Matches jetzt ...«

Debbie rümpfte die Nase. »Tennis? Das ist doch wohl nicht dein Ernst? Überhaupt Sport ...«

»Ach komm schon«, quengelte Kyla, »beim Tennis gibt's doch immer so supi tolle VIP-Bereiche, da kann man sich die Wampe vollschlagen und Schampus saufen ... okay, Wampe vollschlagen sollten wir uns vielleicht lieber nicht, sonst sehen wir beim Videodreh aus wie Caligulas Zwillingsschwestern und nicht wie sexy ranke schlanke Vestalinnen, aber Schampus geht ja wohl immer.«

Debbie nickte. »Das ist nun auch wieder wahr ...«

»Und du bekommst so 'n VIP-Bändel ums Hand­gelenk und darfst überall hin!«, unterbrach Kyla sie.

Debbie war schon fast überredet. VIP-Arm­bändchen waren natürlich was Feines, damit konnte man sich schön wichtig machen.

»Außerdem: Wenn ich hier im Hotel keine fünf Minuten nach Ankunft so ein dermaßen scharfes Teil wie Alejo sichte ... Wie sehen denn dann die ganzen anderen Spieler aus? Vielleicht finden wir für dich morgen gleich auch noch einen? Oder vielleicht auch schon heute Abend auf der Party?«

Jetzt war Debbie vollends überzeugt. »Was zieht man denn da an?«, wollte sie von Kyla wissen, erhob sich von der Couch und ging zum Kleiderschrank.

Prüfend musterte sie den Inhalt des vollgepackten Schrankes, in dem sich dicht an dicht die vollen Bügel drängten, sich T-Shirts und Wäsche in den Fächern stapelten und etliche Paar Schuhe den gesamten Boden­raum ausfüllten. »So viel hab ich ja nun nicht dabei für die paar Tage ...«

»Vielleicht noch mal shoppen gehen?«, überlegte Kyla.

»Das, meine Liebe, ist natürlich immer eine sehr gute Idee, lass uns den beiden anderen Bescheid sagen.«

Wenig später trafen sich die Porios gestiefelt und gespornt für den Shopping-Trip in der Hotellobby. Zunächst mussten natürlich noch Myra und Stella von Kyla über Alejandro in Kenntnis gesetzt werden.

Doch auch Myra hatte große Neuigkeiten. »Tommi hat mir gerade erzählt, dass bei der TV-Aufzeichnung morgen Lenny Kravitz dabei sein wird.« Die sonst so ruhige und besonnene Myra kreischte fast vor Begeisterung.

»Wie? Was? Lenny K. in der gleichen Show wie wir?«, schrie Stella.

»Ohmegod, das darf doch nicht wahr sein«, hyper­ventilierte Debbie.

Kyla sah schon fast ihre Felle davonschwimmen. Wie sollte sie mit ihrem sexy südamerikanischen Tennis­profi gegen Lenny Kravitz anstinken?

Sie versuchte es trotzdem. Doch Myra und Stella zeigten Null Interesse an VIP-Karten für das Tennis­turnier. So ein Abend mit Lenny wollte schließlich vor­bereitet sein! Da musste am Outfit, am Make-up, an der Frisur und an der Gesamtausstrahlung gearbeitet wer­den, das konnte dann schon mal den ganzen Tag dauern!

Zum Glück blieb Debbie bei der Stange, die Kon­kurrenz um Lenny war ihr dann doch zu groß, lieber wollte sie bei den Männern, die sich bei den Italian Open tummelten, ihr Glück versuchen.

Als sich die leichte poriomanische Hysterie in Sachen Lenny Kravitz gelegt hatte, wollten die Porios das Hotel verlassen, um mit dem Taxi zum Campo de' Fiori zu fahren.

Doch das Hotel zu verlassen, war leichter geplant als getan. Vor dem Hoteleingang drängten sich Dutzende von Leuten, Blitzlicht gewitterte und mehrere Teenies kreischten wie am Spieß.

Stella zupfte Myra am Ärmel. »Erm, wohnt Lenny auch hier? Hat Tommi was gesagt?« Myra zuckte nur die Schultern.

Vorsichtig schoben die Porios sich aus der Drehtür und drängten sich an die Wand.

Direkt vor ihnen parkte ein dunkler Mercedes, dessen Seite vom Schriftzug der Italian Open geziert wurde und auf dessen Windschutzscheibe die Worte Official Car prangten. Gerade stieg ein junger Mann in weißem Trainingsanzug mit langen dunkelblonden Haaren aus, was dazu führte, dass der Kreischpegel nochmals um mehrere Dezibel anstieg. Sofort wogte die Meute auf den Tennisspieler zu. Drei Sicher­heitskräfte in dunklen Anzügen versuchten, die Menge zurückzu­halten. Doch es sah aus, als würden sie diesen Kampf verlieren. Alle wollten den jungen Mann fotografieren, anfassen, ansprechen, ein Autogramm ergattern ...

Jetzt stieg auch noch ein zweiter, älterer Mann aus dem Wagen, drängelte sich durch die Fans und Journalisten, hievte zwei große schwere Tennistaschen aus dem Kofferraum und eilte ins Hotel. Die drei Securities schlossen einen engen Kreis um den Spieler und drängten ihn ebenfalls Richtung Drehtür. Dabei kamen sie direkt an den Porios vorbei, die nun den Spieler nicht nur von vorne sondern auch noch aus nächster Nähe sehen konnten. Alle vier hielten unwillkürlich die Luft an.

»Wow«, meinte Debbie schließlich. »Habt ihr den gesehen? Ich bin morgen definitiv beim Tennis, Tennis­profis scheinen generell extrem gut auszu­sehen!«

»Das war jetzt aber nicht dein Alejo, oder?«, wandte Myra sich fragend an Kyla. »Sonst müsste ich direkt neidisch werden.«

»Myra, vergiss nicht, du bist in festen Händen«, mischte Stella sich ein. »Außerdem bin ich die Einzige hier in der Band, die sich wirklich für Sport interessiert, also wenn überhaupt, dann ist das meiner!«

»Hey, Moment mal«, protestierte Debbie.

»Davon ganz abgesehen, bin ich auch offensichtlich die Einzige hier, die weiß, wer das gerade war«, meinte Stella und machte genüsslich eine Kunstpause.

»Du weißt, wer das war?«, kreischte Debbie los und machte Anstalten, Stella am Kragen zu packen und zu schütteln.

»Los, raus mit der Sprache«, forderte auch Myra.

Stella ließ sich noch ein wenig bitten, doch dann rückte sie die so heiß begehrte Information raus. »Das war Gianni di Lucca, 19 Jahre jung, aktuell auf Platz 21 der Tennis-Weltrangliste und Italiens große Hoffnung auf einen zukünftigen Spitzenspieler. Viele Experten sehen in ihm einen zukünftigen Grand-Slam-Champi­on. Und zwar in der nicht allzu fernen Zukunft ...«

»Was, erst 19?« Myra ließ enttäuscht die Schultern hängen.

»Die sind aber nicht alle so jung?«, fragte Debbie entsetzt und sah Kyla an.

Die zuckte mit den Achseln. »Also mein Alejo ist 26, alles andere interessiert mich im Moment ehrlich gesagt nicht so sehr.«

»Hui, hast du das gehört?«, fragte Stella und knuffte Myra in die Seite. »Er hat einen Naaaaahamen! Er heißt Alejo - A-le-jo. Und nicht Joe!«

»Kyla, du hast dich doch nicht Hals über Kopf in so einen dahergelaufenen Tennisspieler verkuckt?«, sti­chelte Debbie.

Kyla errötete sanft und winkte ab. »Hört auf zu spinnen! Wenn ihr ihn kennenlernt, werdet ihr schon sehen, dass der Name Joe einfach nicht zu ihm passt!«

Ihre Bandkolleginnen konnten sich angesichts dieser Aussage das kollektive Grinsen nicht verkneifen.

Kyla war dafür bekannt, dass sie ihre Groupies - von denen es in den vergangenen Jahren wahre Heer­scharen gegeben hatte - immer alle nur Joe nannte. Der Einfach­heit halber. Oder wie Kyla so schön sagte: Was soll ich mir Namen von Typen merken, die ich nie wiedersehen werde?