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Dienstag, 26. März 2019

Lars Kepler lesen beim Krimifestival München



Letzten Samstag lasen Lars Kepler im Rahmen des Krimifestivals München aus ihrem neuesten Werk Lazarus.

Lars Kepler in der Mehrzahl, weil es sich hier nicht um eine Person, sondern um ein Autorenduo handelt, nämlich das Ehepaar Alexandra und Alexander Ahndoril (außer dem Vornamen haben die beiden witzigerweise noch gemeinsam, dass sie beide Linkshänder sind und beide grüne Augen haben).

Lazarus ist bereits der siebte Band ihrer extrem erfolgreichen Thriller-Serie um den Ermittler Joona Linna. Allein in Deutschland haben die beiden 1,2 Millionen Bücher verkauft, weltweit sogar über 10 Millionen.

Als sie vor vielen Jahren auf die Idee kamen, gemeinsam zu schreiben, weil das Autorenleben sonst ein gar so einsamer Job ist, legten sie erst zwei Fehlstarts hin. Zuerst versuchten sie sich an einem Kinderbuch, das klappte nicht, dann an einem Theaterstück, da Alexander bereits als Dramatiker sehr erfolgreich war. Das war laut Alexandra aber sogar noch schlimmer als die versuchte Zusammenarbeit an einem Kinderbuch.

Erst im Thrillergenre klappte es dann. Sie meinen beide, es liegt daran, dass sie sich gesagt haben »Hier schreiben nicht Alexandra und Alexandra, hier schreibt Lars Kepler«. Seitdem arbeiten die beiden einträchtig Seite an Seite an ihrem alten Küchentisch, den sie zum Schreibtisch umfunktioniert haben - wobei sie Wert darauf legten zu erwähnen, dass jeder seinen eigenen Computer hat.



Sehr wichtig ist den beiden auch die Recherche zu ihren Romanen. So probieren sie zum Beispiel sämtliche Waffen, die in ihren Thrillern vorkommen, selbst aus. Echte Tatorte haben sie auch schon besucht und außerdem waren sie auch schon im Gefängnis, weil wie Alexandra so schön sagte »So etwas kann man nicht googeln«. 

Besonderen Wert legen sie in ihren Büchern auch darauf, die Motivation ihres Bösewichts genau zu erforschen, also nicht über jemanden zu schreiben, der halt einfach so böse ist, sondern herauszufinden, warum diese Person so geworden ist und warum diese Person so handelt wie sie handelt.

Außerdem ist das Schreiben von Thrillern für die beiden ein Weg um mit den eigenen Ängsten umzugehen. Allerdings haben sie bei ihrem ersten Thriller einen großen Fehler gemacht: Sie benutzten ihre eigene Wohnung als Vorbild für einen Schauplatz im Roman. Das führte dazu, dass Alexandra nach Fertigstellung des Buches ständig überprüfte, ob die Tür auch wirklich abgeschlossen ist. Irgendwann zogen sie dann sogar um. Jetzt nehmen sie stattdessen lieber die Wohnungen oder Häuser ihrer Nachbarn als Inspiration.

Auf die Frage, was sie denn machen, wenn sie nach der Lesereise nach Hause kehren, meinten die beiden »Unsere Computer warten auf uns.« Bei so viel Arbeitseifer wird es sicher noch viele weitere Thriller des Autorenduos geben.

Zwei kurze Videos von der Lesung findet ihr auf meinem YouTube-Kanal.



Nach der Lesung lies ich mir noch Paganinis Fluch signieren sowie ein Exemplar von Flammenkinder, das ich demnächst verlosen werde (das ist zwar schon ein älteres Buch, aber mir gefällt aus offensichtlichen Gründen der Titel so gut). Haltet also ein Auge auf diese Seite.

Montag, 4. März 2019

Neuveröffentlichung: Flammenweib (3. Tübingen-Thriller)

Gerade wurde mein 3. Tübingen-Thriller Flammenweib veröffentlicht. 

Hier der Klappentext:

Moderne Hexen.
Alte Sünden.
Flammende Sühne.

Auf einem Tübinger Friedhof wird eine verkohlte Frauenleiche gefunden. Das Opfer wurde auf einem improvisierten Scheiterhaufen verbrannt - fast wie eine Hexe im Mittelalter.
Geschichtsstudentin Oscar ist von diesem grausigen Verbrechen zutiefst abgestoßen. Als sie wenig später die moderne Hexe Alexa kennenlernt, will Oscar unbedingt mehr über den Hexenglauben erfahren. Sie ahnt nicht, dass ihre Wissbegierde sie mitten in die schrecklichen Vorkommnisse hineinziehen wird.
Denn der Mörder hat bereits das nächste Opfer im Visier.

Flammenweib ist als eBook und Taschenbuch sowie im Kindle Unlimited-Abo erhältlich. Für kurze Zeit kostet das eBook nur EUR 0,99: https://www.amazon.de/dp/B07P6T5BV8

Donnerstag, 3. Januar 2019

Thriller-Verlosung: Blutrausch von Chris Carter



Vor knapp einem Jahr hatte ich ja schon einmal ein Buch von Chris Carter verlost, jetzt gibt es den neuesten, mittlerweile schon neunten Fall von Hunter und Garcia zu gewinnen.

Das Buch wurde von Chris Carter bei seiner Lesung in München am 25. Oktober signiert.


BUCHVERLOSUNG

Ich verlose ein signiertes Exemplar des Taschenbuches von Blutrausch. Alle, die sich ab heute (03. Januar 2019) bis zum 18. Januar 2019 (Mitternacht) für meinen Newsletter anmelden, nehmen an der Verlosung teil.

Hier geht's zur Anmeldung: KLICK

Du hast dich schon längst für meinen Newsletter eingetragen, willst aber trotzdem mitmachen? Dann sende bitte eine E-Mail mit dem Betreff „Verlosung: Blutrausch“ an [poriomaniacs AT 2diefor DOT com]

Das Kleingedruckte: 
Natürlich ist bei dieser Verlosung der Rechtsweg ausgeschlossen und der Gewinn kann nicht bar ausgezahlt werden. Der Gewinner wird am 19. Januar 2019 ausgelost und per E-Mail benachrichtigt. Das Buch wird nach Mitteilung der Adresse des Gewinners per Post versandt. Mit der Teilnahme wird mein E-Mail-Newsletter abonniert, der aber nicht allzu häufig (zurzeit vierteljährlich) erscheint und über Neuerscheinungen, Gewinnspiele und ähnliches informiert. Natürlich kann der Newsletter jederzeit abbestellt werden. Die für das Gewinnspiel gemachten Angaben (Name und E-Mail-Adresse) werden nur für das Gewinnspiel und die Newsletter-Zusendung verwendet.

Leseprobe aus Flammenweib (Tübingen-Thriller)

Foto: Miranda Wipperfurth Unsplash

14. Dezember 1999

Die drei Steinkreuze zeichneten sich nur schemenhaft gegen den Nachthimmel ab. Der zunehmende Mond spendete in dieser wolkenverhangenen Nacht kaum Licht.
Eine erste Flamme leckte an dem trockenen Reisig, das um das mittlere, höchste Kreuz aufgeschichtet war. Zaghaft, forschend.
Doch schnell fand das Feuer Nahrung, es dauerte nur Sekunden und lodernde Flammen schlugen in die Höhe. Funken flogen und versengten das Moos auf den steinernen Bodenplatten.
Die durch einen Knebel gedämpften Schreie der an das Kreuz gefesselten Frau verstummten schnell.
Gleichzeitig verbreitete sich der süßliche Gestank von brennendem Fleisch.
Das Reisig knisterte, Ästchen zerbrachen knackend, die Flammen prasselten.
Nur langsam erstarb das Feuer. Einige winzige Flämmchen zuckten noch zwischen den Überresten des improvisierten Scheiterhaufens, flirrend wie kleine Irrlichter.
Dann erloschen auch diese.

15. Dezember 1999

Wie jeden Morgen war der Friedhofsverwalter der Erste, der das Gelände des Tübinger Bergfriedhofs betrat. Er sperrte das große Tor am Haupteingang auf, dann begab er sich auf seinen Rundgang. Reine Routine seit fünfundzwanzig Jahren.
Doch nicht an diesem Morgen.
Als er sich der Waldkapelle näherte, blieb er stehen und atmete tief ein. Was war das für ein seltsamer Geruch, der da in der Luft hing? Als hätte etwas gebrannt. Aber das konnte doch nicht sein. Oder hatte es in der kleinen Holzkapelle einen Kurzschluss gegeben, der einen Brand ausgelöst hatte?
Schnellen Schrittes näherte er sich der Kapelle, um nach dem Rechten zu sehen. Der Geruch wurde stärker, intensiver. Doch jetzt mischte sich in den Brandgeruch ein anderer, weitaus unangenehmerer Gestank.
Verbranntes Fleisch, schoss es ihm durch den Kopf. Was zum Teufel?
Er hatte die Kapelle erreicht, bog um die Ecke, um sie durch die Vordertür zu betreten. Sein Blick fiel auf das der Waldkapelle direkt gegenüberliegende Mahnmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten.
Er erstarrte. Glaubte, seinen Augen nicht zu trauen.
Wollte auf dem Absatz kehrt machen und davonrennen.
Zwang sich stattdessen, auf die drei Steinkreuze der Kriegsgräbergedächtnisstätte zuzugehen.
Er befand sich immer noch mehrere Meter entfernt, als er erkennen musste, dass ihn seine Sinne nicht getäuscht hatten.
Der Gestank nach verbranntem Fleisch.
Das verkohlte Bündel, das an dem mittleren Steinkreuz hing.
Er sank auf die Knie. Dann erbrach er sich heftig in das spärliche Gras am Wegrand.


»Das ist so krank.« Oscar hielt sich eine Hand vor den Mund. Ihr Atem ging flach, ihr Herz raste. Mit der freien Hand tastete sie nach einem Stuhl und setzte sich.
»Ich hätte dir das nicht zeigen sollen«, sagte Tom und drehte die Fotos um, sodass die weiße Rückseite nach oben wies.
Doch Oscar hatte schon mehr als genug gesehen. Sie nahm die Hand vom Mund und atmete tief ein und aus. Jetzt nur nicht hyperventilieren, am Ende würde sie sonst noch ohnmächtig werden.
»Ich glaube, das Abendessen lasse ich heute lieber ausfallen«, sagte sie mit zittriger Stimme, als sie schließlich ihre Atmung und ihren Herzschlag wieder unter Kontrolle gebracht hatte.
Tom griff nach ihrer Hand und drückte sie. »Es tut mir so leid.«
»Ist schon gut.« Oscars Stimme zitterte immer noch ein wenig. Plötzlich war ihr schrecklich kalt. Dabei war ihre kleine Wohnung in der Tübinger Innenstadt mollig warm, die Heizung lief auf Hochtouren.
Gemeinsam mit ihrem Freund Tom saß sie am Küchentisch. Vor dem Fenster hatte sich längst tiefschwarze Dunkelheit über die schmale Altstadtgasse gesenkt, obwohl es gerade erst sechs Uhr abends war.
Die umgedrehten Fotos mitten auf der Tischplatte zogen Oscars Blick an. Fast anklagend wirkte das weiße Fotopapier auf dem dunklen Holz der Tischplatte.
Wie konnte die Rückseite dieser schrecklichen Fotos nur so reinweiß und unschuldig aussehen?
Tom ließ Oscars Hand los und stand auf. Wenig später stand er wieder neben ihr und reichte ihr wortlos ein Glas.
Oscar griff danach und sog erst das Aroma des Alkohols ein, dann nahm sie einen kleinen Schluck. Die Flüssigkeit brannte sich ihren Weg durch Oscars Kehle in ihren Brustkorb und weiter in ihren Magen. Sie räusperte sich, dann schüttelte sie sich. Das kurze Auflodern des Alkoholfeuers in ihrem Inneren tat gut.
»Danke«, sagte sie, jetzt mit festerer Stimme. »Das war genau das, was ich gebraucht habe.«
Sie sah ihren Freund an, der sich wieder neben sie setzte. »Aber wenn du heute noch was essen willst, musst du selbst kochen.«
Tom hob abwehrend beide Hände. »Mir hat es den Appetit auch verschlagen«, gab er zu.
Oscar deutete auf die Fotos. »Und darüber musst du schreiben? Ich beneide dich wirklich nicht.« Ihre Augen weiteten sich. »Du warst aber nicht ...?«
Tom nickte. »Doch. Ich war am Tatort.« Er lehnte sich seufzend in seinem Stuhl zurück. »Gleich heute früh.«
»War das der Grund, dass du nach dem Frühstück so schnell weg musstest? Du hast keinen Ton gesagt, warum und wohin.«
Tom fuhr sich mit der Hand durch das halblange Haar. »Als mein Chefredakteur mir gesagt hat, dass eine verkohlte Leiche gefunden worden ist, habe ich natürlich den Mund gehalten. Ich wollte dir nicht den Tag verderben.«
Oscar sprang von ihrem Stuhl auf und füllte ein Glas mit Leitungswasser. In drei großen Schlucken stürzte sie das Wasser hinunter. Dann ging sie langsam zum Küchentisch zurück und setzte sich wieder.
Sie deutete auf die Fotos.
Tom sah sie zweifelnd an, dann schob er die immer noch umgedreht auf dem Tisch liegenden Fotos zu ihr hinüber.
Oscar atmete tief durch, versuchte sich zu wappnen gegen das, was sie gleich sehen würde.
Sie drehte das oberste Foto um. Zwang sich, hinzusehen. Zwang sich, jede Einzelheit zu studieren.
Das Foto zeigte die kaum noch als menschlich zu erkennenden Überreste eines verbrannten Körpers. Die Haut war zusammengeschrumpft, sah brüchig aus und war grau bis schwarz verfärbt. An manchen Stellen hatten sich große Risse gebildet. Die wenigen noch verbliebenen Haare waren schwärzlich und kräuselten sich in unnatürlicher Weise.
Die Leiche lag auf der Seite, der Mund war weit aufgerissen, die leeren Augenhöhlen blicklos.
Oscars Magen krampfte sich zusammen. Zum Glück hatte sie seit dem Mittagessen in der Mensa nichts mehr zu sich genommen, sie wäre sonst wahrscheinlich zum Spülbecken gestürzt, um sich zu übergeben.
Sie legte das erste Foto weg und sah sich das zweite an. Es handelte sich um eine Großaufnahme des Gesichts. Oder genauer gesagt um eine Großaufnahme dessen, was einmal ein Gesicht gewesen war.
Oscar versuchte, sich ganz von dem Gedanken zu lösen, dass das, was sie sich da ansah, bis vor Kurzem ein lebendiger Mensch gewesen war. Sie stellte sich vor, sie betrachtete das Foto eines Menschen, der schon Hunderte von Jahren tot war. Wie das Foto einer Moorleiche.
»Weiß man schon, wer die Tote ist?«, fragte sie Tom. Sie blickte von dem Foto auf. »Es ist doch eine Frau, oder?«
Tom nickte. »Ja, aber sie konnte noch nicht identifiziert werden.«
Oscar legte die Fotos zurück auf die Tischplatte. Irgendjemand vermisste jetzt seine Tochter, Schwester, Freundin, vielleicht sogar Ehefrau oder Mutter. Allein bei dem Gedanken, dass es sich um jemand handeln könnte, den sie - und sei es auch noch so flüchtig - gekannt hatte, ließ Oscar erneut übel werden.
»Und sie war an das Steinkreuz gefesselt?« Sie tippte mit einem Finger auf eines der Fotos, das zeigte, wie die Leiche vor dem Mahnmal lag.
»Die erste Einschätzung ist, dass der Täter eine mittelalterliche Hexenverbrennung nachgeahmt hat«, sagte Tom. »Er hat die Frau an das Kreuz gefesselt und dann Holzscheite und trockene Äste um sie herum aufgeschichtet. Das Ganze hat er dann angezündet.«
Oscar schluckte, spürte den Geschmack von Galle im Hals. »Wer tut so etwas?«, fragte sie leise.
Tom schüttelte den Kopf. »Wir sind auch alle ganz fassungslos.«
»Wie sehr muss man einen Menschen hassen, um ihn auf diese Weise zu töten?«
Tom legte eine Hand auf Oscars Arm. »Es ist noch nicht klar, ob sie noch gelebt hat, als sie angezündet wurde. Das muss bei der Obduktion festgestellt werden.«
Oscar sah erneut auf die Fotos. »Ich bin mir sicher, sie hat noch gelebt. Jemand, der so etwas inszeniert, tötet sein Opfer nicht vorher. Töten durch Verbrennen, das bedeutet doch etwas.«
»Du meinst, diese Mordmethode hat Symbolcharakter?« Tom sah seine Freundin aufmerksam an.
Oscar nickte. »Ja, auf jeden Fall. Der Mörder wollte sein Opfer auslöschen, komplett vernichten.« Sie drehte die Fotos wieder um. »Und das ist ihm gelungen.«

Freitag, 30. November 2018

Jo Nesbø bei der Münchner Bücherschau


Gestern Abend stellte Jo Nesbø im Gasteig seinen Roman Macbeth vor, eine Neuerzählung des Theaterstückes von Shakespeare. Natürlich wurde er vom Moderator des Abends zuallererst gefragt, wie es denn zu diesem Buch kam.

Es war tatsächlich nicht Nesbøs eigene Idee, sich dieses klassischen Stoffes anzunehmen, er wurde von einem Verlag darauf angesprochen. 2016, anlässlich des 400. Todestages von William Shakespeare trat der Hogarth Verlag an mehrere Autoren heran und bat sie, Shakespeare-Stoffe neu zu bearbeiten. Nesbøs erste Reaktion war sogar, dass er dieses Angebot ablehnen wollte, da es ihm beim Schreiben vor allem darum geht, eine Story zu entwickeln … und in diesem Falle war die Story ja schon da! 

Er meinte, normalerweise benötige er ungefähr ein halbes Jahr, um eine Synopsis für ein neues Buch zu schreiben und hier hätte es sich angefühlt, als habe jemand anders diese Synopsis für ihn geschrieben.

Warum er sich dann schließlich doch dieses Projektes annahm, hat viel mit Roman Polanskis Verfilmung von Macbeth zu tun. Dieser Film weckte erstmals Nesbøs Interesse an Shakespeare und so versuchte er im Alter von 14, 15 Jahren Macbeth im Original zu lesen, kam damit aber nicht weit und griff zur norwegischen Übersetzung.

Für seinen Roman hat er die Handlung in die 1970er Jahre und in die fiktive Stadt Capital verlegt. Dort geht es ziemlich düster zu, als Inspiration für Capital dienten unter anderem Newcastle (wie im Film Get Carter mit Michael Cane dargestellt) und das norwegische Bergen.

Hauptfigur Macbeth gehört einer Spezialeinheit der Polizei von Capital an und kämpft zu Beginn des Buches vor allem gegen eine Motorradgang. Um die Halluzinationen und Prophezeiungen des Originalstückes zu übertragen, machte Nesbø seinen Macbeth zu einem Drogensüchtigen. Die berühmten drei Hexen Shakespeares sind in seinem Buch drei Drogenköchinnen, ihre Prophezeiungen sind Drohungen.

Nesbø meinte, sein Buch folge dem Stück fast Szene für Szene. Außerdem sei in diesem Falle das Schreiben nach dem Motto »no fear, just fun« vor sich gegangen.

Leider habe ich das Buch noch nicht gelesen und werde auch so schnell nicht dazu kommen (schneller Blick auf den SuB - vielleicht in einem Jahr oder so?), denn obwohl Macbeth Shakespeares kürzestes Stück ist (es wird ja sogar spekuliert, dass es unvollendet ist), hat Nesbøs Roman um die 600 Seiten. Angeblich sind es auf norwegisch nur ca. 500 Seiten, aber das hilft mir natürlich nicht weiter …

Dienstag, 30. Oktober 2018

Chris Carter beim Krimifestival München



Am 25. Oktober 2018 stellte Chris Carter in München sein aktuelles Buch Blutrausch (Gallery of the Dead) vor. Für mich ein absoluter Pflichttermin, der trotzdem fast nicht geklappt hätte, denn eigentlich hätte ich in der letzten Oktoberwoche in England sein sollen. Als sich meine Pläne änderten, war die Lesung schon ausverkauft, doch zum Glück verlegten die Organisatoren des Krimifestival München die Lesung vom Amerikahaus ins Anatomische Institut, wo mehr Leute Platz finden.

Letzten Donnerstag war es also soweit, ich war überpünktlich da, aber trotzdem bei weitem nicht die Erste: die Schlange ging bereits durch den ganzen Vorhof bis auf die Straße.

Drinnen fand ich trotzdem einen guten Platz und saß dann erstmal da wie eine übereifrige Studentin mit Notizblock, Stift und Handy.
Pünktlich ging es los, Chris Carter nahm mit dem Moderator des Abends sowie einem Schauspieler, der die deutschen Texte lesen sollte, am mit einer »blutigen« Decke dekorierten Lesetisch Platz.
Von Anfang an war klar, dass Chris Carter außerordentlich offen und wahnsinnig lustig ist. Wieder mal einer, der die Klischeevorstellung vom düsteren, abgedrehten Thrillerautor nicht erfüllt - aber wahrscheinlich würde ein Autor, der wirklich so drauf ist, auch gar nicht auf Lesereise gehen, sondern im stillen Kämmerlein verweilen.

Erst erzählte Carter ein wenig über seinen Werdegang, wie er sich für das Studium der Psychologie entschied und dass er dann zunächst als forensischer Psychologe arbeitete. Ein Job, in dem es seiner Meinung nach keinen einzigen guten Arbeitstag gibt, weil man sich nur mit Mord und Totschlag befassen muss. Mit 27 entschied er sich darum, nach Los Angeles zu gehen und sein Glück als Musiker zu versuchen.

Zu seiner Karriere als Rockmusiker erzählte er in München leider nicht allzu viel, aber dafür machte er einen Witz über Keith Richards, der eine gute Erklärung für Keiths scheinbare Unsterblichkeit bietet: »Wenn du eine Zigarette rauchst, dann wird das Lebensjahr, das dir verlorengeht, Keith Richards gutgeschrieben.«

Was seine jetzige Arbeit als Autor angeht, meinte er, er würde seine Bücher nicht groß im Voraus planen. Zu Beginn hätte er meistens nur einen Satz, aus dem er dann alles entwickeln würde. Bei seinem zweiten Roman Der Vollstrecker war das zum Beispiel der Satz »A killer who kills you with what you fear«. Carter ging sogar so weit zu behaupten, er wisse selbst lange nicht, wer denn am Ende der Mörder sein wird.

Dann erzählte er noch, dass sein erster Roman, Der Kruzifix-Killer, eigentlich als Standalone angelegt war. Daran, eine Serie zu schreiben, hatte er überhaupt nicht gedacht. Eigentlich sollte sein Protagonist Robert Hunter am Ende des Kruzifix-Killers sogar sterben. Doch sein Agent überredete ihn, das Ende umzuschreiben und Hunter zum Serienhelden zu machen. Leider erwähnte er den Namen seines Agenten nicht, bei dem hätte ich mich gerne bedankt!

Über seine Schreibgewohnheiten erzählte er, dass er daheim ein kleines Büro hätte, weil er in der Öffentlichkeit, z.B. in einem Café, nicht schreiben könne. Dabei störe ihn zwar nicht die Geräuschkulisse (angeblich kann er beim Schreiben Death Metal hören, ohne dass das seiner Konzentration abträglich wäre), aber die ständigen Bewegungen um ihn herum lenkten ihn zu sehr ab. Sein Büro jedoch hat eine Besonderheit, die seine Freunde in tiefstes Erstaunen versetzt: Er sammelt Whisky und sämtliche Flaschen seiner Sammlung sind in seinem eher kleinen Büro untergebracht. Dafür erhält er öfter Kommentare wie »Wie kannst du hier nur arbeiten? Es sieht aus wie in einer Bar!«

Auf die Frage, warum er eigentlich Los Angeles als Schauplatz für seine Romane gewählt habe, obwohl er doch schon seit Jahren in London lebe, antwortete Carter, das läge daran, dass Los Angeles so vielfältig und widersprüchlich sei. Auf der einen Seite hätte man extremen Reichtum (wie z.B. in Malibu) und auf der anderen Seite Stadtteile, die komplett von gewalttätigen Gangs kontrolliert werden und wo die Leute extrem arm sind. In diesem Milieu könne seiner Meinung nach alles passieren. Außerdem kannte er sich aufgrund seines früheren Berufes ja schon mit dem amerikanischen Polizeisystem aus und wollte nicht alles neu lernen, nur um seine Bücher in London spielen lassen zu können. (Er hat allen Ernstes behauptet, er sei faul!)

Selbstverständlich erzählte Chris Carter noch viel, viel mehr im Laufe des Abends, einiges davon könnt ihr in den Videos auf meinem YouTube-Kanal anschauen.

Nach der Lesung signierte Carter natürlich auch noch und ich habe neben meinem eigenen Exemplar von Gallery of the Dead auch noch ein Taschenbuch von Blutrausch signieren lassen, dass ich demnächst hier verlosen werde! Also haltet ein Auge auf meinen Blog ...

PS: Viele schöne Fotos von der Lesung kann man auf der Facebookseite des Krimifestival München finden.

Einen sehr schönen Bericht über die Lesung in Würzburg - wo Carter teilweise andere, hochinteressante Details aus seinem Leben und Schaffen zum Besten gab - gibt es auf Gabis Blog Laberladen.

Donnerstag, 20. September 2018

Rezension und Buchverlosung - Melanie Raabe - Der Schatten


Norah zieht nach der Trennung von ihrem Freund von Berlin nach Wien um. Doch schon am ersten Tag in der neuen Stadt taucht ein Schatten aus ihrer Vergangenheit auf. Und dann erhält sie auch noch eine düstere Prophezeiung …

Melanie Raabes dritter Thriller Der Schatten war für mich ein Muss, da mir Die Falle extrem gut gefallen hat.

Zu Beginn der Story wird sofort langsam aber zielsicher Spannung aufgebaut - eine Andeutung hier, eine seltsam agierende Bettlerin in der Wiener Innenstadt da. So RICHTIG spannend wurde Der Schatten für mich aber erst ab Seite 300, wo Norah ihre Entscheidung trifft und klar ist, dass SIE ganz genau weiß, wie alles zusammenhängt … während ich immer noch komplett im Dunkeln tappte.

Was mir an Der Schatten am besten gefiel war der Schreibstil und die sehr atmosphärische Beschreibung von Wien im Winter. Ich ertappte mich schon auf Seite 30 bei dem Gedanken, dass ich auch nach Wien ziehen will …

Die Auflösung war originell, leider fand ich eine Kleinigkeit, die mir gar nicht passte (kann ich hier nicht ausführen, wäre ein massiver Spoiler) und die mich ein wenig runterzog. Der »Nachklapp« mit den Briefen war mir dann ein bisschen zu melodramatisch. Aber das kam ja ganz am Schluss, verdarb mir also das Lesevergnügen nicht.

Insgesamt hat mir Die Falle von Melanie Raabe besser gefallen, aber Der Schatten bietet auf jeden Fall etliche spannende und vor allem auch originelle Lesestunden.


BUCHVERLOSUNG

Ich verlose ein Exemplar des Taschenbuches von Der Schatten. Alle, die sich ab heute (20. September 2018) bis zum 04. Oktober 2018 (Mitternacht) für meinen Newsletter anmelden, nehmen an der Verlosung teil.

Hier geht's zur Anmeldung: KLICK

Du hast dich schon längst für meinen Newsletter eingetragen, willst aber trotzdem mitmachen? Dann sende bitte eine E-Mail mit dem Betreff „Verlosung: Der Schatten“ an [poriomaniacs AT 2diefor DOT com]

Das Kleingedruckte: 
Natürlich ist bei dieser Verlosung der Rechtsweg ausgeschlossen und der Gewinn kann nicht bar ausgezahlt werden. Der Gewinner wird am 05. Oktober 2018 ausgelost und per E-Mail benachrichtigt. Das Buch wird nach Mitteilung der Adresse des Gewinners per Post versandt. Mit der Teilnahme wird mein E-Mail-Newsletter abonniert, der aber nicht allzu häufig (zurzeit vierteljährlich) erscheint und über Neuerscheinungen, Gewinnspiele und ähnliches informiert. Natürlich kann der Newsletter jederzeit abbestellt werden. Die für das Gewinnspiel gemachten Angaben (Name und E-Mail-Adresse) werden nur für das Gewinnspiel und die Newsletter-Zusendung verwendet. Meine Datenschutzbestimmungen findet ihr hier.