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Mittwoch, 6. Oktober 2021

Thriller-Rezension: Die Andere (The Temp) von Michelle Frances

 

Carrie und Adrian sind ein wahres Power-Couple: Sie TV-Produzentin, er Drehbuchautor. Gerade gewann Adrian einen BAFTA für seine letzte TV-Serie, nun arbeitet er gemeinsam mit Carrie an der nächsten. Doch dann eröffnet Carrie ihm, dass sie schwanger ist. Davon ist Adrian ganz und gar nicht begeistert.

So beginnt The Temp von Michelle Frances, ein Buch, das ich allein aufgrund des Schauplatzes London unbedingt lesen wollte. Dazu das Setting im Bereich TV-Produktion, das versprach interessant zu werden.

Nach den ersten kurzen Kapiteln gibt es einen Zeitsprung: Carrie ist hochschwanger, also ist es an der Zeit, eine Schwangerschaftsvertretung für sie zu finden. Auftritt Emma, jung, ehrgeizig und talentiert. Für Carrie eine gefährliche Mischung. Von Anfang an fühlt sie sich durch Emma bedroht, macht sich Sorgen, dass die junge Frau ihr den Job streitig machen will.

Schlecht war The Temp nicht, aber die Story plätscherte nur so dahin. Ganz interessant? Ja. Packend? Nein. Für mich lag das zum größten Teil daran, dass ich keinen der drei wichtigsten Charaktere auch nur in irgendeiner Weise für bedrohlich oder gar gefährlich hielt. Die waren alle viel zu harmlos.

Irgendwann tut tatsächlich mal jemand etwas ansatzweise Böses und dann stirbt auch tatsächlich mal jemand, aber hach ... spannend war das alles leider nicht, sorry.

Ja, ich war die meiste Zeit schon irgendwie neugierig, wie es wohl weitergeht, aber »irgendwie neugierig« ist halt nicht »gefesselt«. Ein Pageturner ist The Temp wahrlich nicht.

Den ultimativen Twist am Ende empfand ich dann sogar als ärgerlich, weil der schlichtweg aus dem Hut gezaubert wird und in keiner Weise vorher angedeutet wurde. Außerdem führte dieser Twist zu einem derart pappsüßen Kitschende, dass man beim Lesen Zahnschmerzen bekommen könnte.

The Temp ist also für mich leider nur eine Kandidatin für die Kategorie »kann man lesen, muss man aber nicht«.

PS: Das markige »Sie hat deinen Job. Sie will dein Leben.« auf dem Cover hat mit der Story absolut nichts zu tun und ist einfach nur irreführend.



Montag, 2. August 2021

Thriller-Rezension: Was sie nicht wusste von Nicci French



Auf den ersten Blick ist Neve eine glückliche Ehefrau und Mutter.

Was niemand ahnt: Neve hat eine Affäre.

In einer kleinen Wohnung im Zentrum Londons trifft sie sich mit Saul. Eines Tages, als Neve diese Wohnung betritt, ist Saul tot. Erschlagen mit einem Hammer. Doch Neve ruft nicht die Polizei ...

In Was sie nicht wusste geht es nicht nur darum, wer Saul ermordet hat und warum, sondern vor allem um Neves Kampf, ihre Affäre geheimzuhalten. Immer tiefer verstrickt sie sich in Lügen und Halbwahrheiten und der Leser fragt sich, wie lange es wohl dauert, bis ihr alles um die Ohren fliegt.

 Das Buch ist spannend und entfaltet die bei Nicci French-Thrillern so oft vorhandene Sogwirkung, man will also nicht aufhören zu lesen, weil man unbedingt wissen will (nein, wissen MUSS), wie es weitergeht.

Londoner Lokalkolorit ist auch reichlich vorhanden: Neve wohnt in Clapton und fährt fast überall mit dem Fahrrad hin, wodurch auch Londoner Orte Erwähnung finden, die der Durchschnittstourist vielleicht noch nicht kennt, London Fields und das Sadler’s Wells Theatre zum Beispiel.

Auch fand ich es ein tolles Detail, dass Neve einen Schrebergarten hat. Eine meiner ehemaligen Mitbewohnerinnen in London hatte nämlich auch einen.

Trotzdem hat mich an Was sie nicht wusste etwas genervt ... nämlich Neve.

Die ist mir zu sehr »Fußabstreifer«. Was diese Frau alles mit sich machen lässt, ohne sich auf die Hinterbeine zu stellen, ist unglaublich.

Da lädt zum Beispiel ihr Ehemann Leute zum Abendessen ein, was ihr gar nicht passt. Statt ihm zu verklickern, dass er die bitte wieder auslädt, geht sie einkaufen und stresst rum, um nur alles rechtzeitig vorzubereiten. Im Supermarkt läuft sie dann Sauls Witwe über den Weg ... und lädt die auch noch ein!

Die Auflösung war mir persönlich auch ein bisschen zu konstruiert und aus dem Hut gezaubert. Das Motiv, das aus urältester Vergangenheit stammt, fand ich einfach nicht glaubwürdig.

Trotzdem hat es Spaß gemacht, Was sie nicht wusste zu lesen. Gemessen an früheren Nicci French-Standalones kann es aber nicht ganz mithalten.

Freitag, 18. Juni 2021

Thriller-Rezension: Ich will dir nah sein von Sarah Nisi



Lester Sharp arbeitet beim Londoner Fundbüro und ist ein wenig seltsam. Dass er vielleicht nicht nur ein wenig seltsam ist, sondern sogar gefährlich, beginnt der Leser spätestens dann zu vermuten, als Erin in die leer stehende Wohnung direkt neben Lester einzieht.

Lester findet Erin nämlich nicht nur sehr attraktiv, er hat auch den Schlüssel zu ihrer Wohnung.

Mein Hauptgrund, Ich will dir nah sein zu lesen, war natürlich der Schauplatz. Das Haus, in dem Lester und Erin ihre Apartments haben, befindet sich in Limehouse, auch Hackney und Rotherhithe kommen als Schauplätze vor. London Fields und den Broadway Market habe ich auch schon erkundet, Rhys geht nachts, wenn er nicht schlafen kann, auf Skateboard-Tour durch Soho … das Lokalkolorit gefiel mir also sehr gut. 

Ich will dir nah sein bezieht seine Spannung gänzlich daraus, was Lester denkt, plant und tut. Wer auf actionreiche Thriller mit viel Tempo steht oder gerne bei einem komplizierten Mordfall mitkombiniert, ist hier natürlich ganz verkehrt. Wie Lester alles, jede winzige Kleinigkeit, die Erin tut oder sagt, verdreht und zu seinem Vorteil interpretiert, war einfach nur herrlich. Vor allem, wenn man dann am Schluss erfährt, dass sie ihm tatsächlich »Zeichen gesendet« hat, nur eben nicht so, wie er sich das gedacht hatte.

Der Twist am Schluss ist zwar überraschend, aber das Ende insgesamt ist für meinen Geschmack ein wenig zu unspektakulär. Dass der Epilog das, was Lester vor vielen Jahren getan hat, verwässerte, fand ich enttäuschend.

Das ist aber Jammern auf hohem Niveau, insgesamt hat mir Ich will dir nah sein großen Spaß gemacht, vor allem wegen der Charaktere und des Schauplatzes.

Mittwoch, 26. Mai 2021

Thriller-Rezension: Die Blumen des Todes (Lazybones) von Mark Billingham



Die Blumen des Todes (englischer Titel Lazybones), der 3. Band der Tom Thorne-Reihe von Mark Billingham war einer meiner zahlreichen Bücherschrankfunde.

Ich hatte zuvor bereits zwei andere Bände dieser Serie gelesen, von denen mir einer gut und der andere eher nicht gefallen hatte. Darum las ich in dieses Buch erstmal rein, bevor ich es mitnahm - neben dem Bücherschrank stehen zum Glück einige Parkbänke und es regnete ausnahmsweise nicht.

Der Schreibstil und die Charaktere gefielen mir sehr gut, auch die Story, die mit einigen Rückblenden in die Vergangenheit erzählt wird, um die Tätermotivation zu veranschaulichen, war genau auf meiner Wellenlänge.

In einem Londoner Hotel wird die geschändete Leiche eines Mannes gefunden. Ein DNA-Abgleich bringt schnell die Identifizierung: Das Mordopfer war selbst Täter und wurde erst vor Kurzem aus der Haft entlassen. Sieben Jahre hatte er abgesessen, seine Straftat: Vergewaltigung. Thorne vermutet schnell, dass er es hier mit einem Mord aus Rache zu tun hat.

London als Schauplatz kommt in Die Blumen des Todes auch nicht zu kurz, der Protagonist lebt in Kentish Town und hat in einem Kapitel ein frühmorgendliches Date auf dem Blumenmarkt in New Covent Garden, inklusive anschließendem typisch britischen Frühstück. Die erste Leiche wird in einem Hotel nahe Paddington gefunden, weitere in einem Fotostudio in Soho und etwas außerhalb von London in Slough, wo ich witzigerweise auch schon war. Ich liebe es, wenn ich mir die Schauplätze gut vorstellen kann.

Zwei kleinere Punkte ließen mich auf hohem Niveau motzen, zum einen ein Gedankengang, der ziemlich weit vorne im Buch im PoV einer der Personen stattfand, und sich später als unwahr entpuppte. Auch mit dem Stilmittel des unzuverlässigen Erzählers kann man mich hier nicht beruhigen, dieser eine Absatz war nicht okay. Ich hatte diese spezielle Person nämlich schon ziemlich früh im Verdacht, Dreck am Stecken zu haben, und nur dieser eine Absatz ließ mich denken »kann ja gar nicht sein«. Der zweite Punkt wiegt weniger schwer, aber mir ist es immer lieber, wenn sich der Prota am Ende selbst rettet und nicht auf Unterstützung von außen angewiesen ist. Aber wenigstens war das hier sehr schön aufgebaut, man wusste schon länger, dass Hilfe auf dem Weg ist, und die Frage, ob (und wie) diese Hilfe rechtzeitig kommt, war durchaus spannend.

Nachdem ich Billingham nach zwei persönlichen Flops (da war noch ein Standalone, der mir gar nicht gefallen hat) schon fast abgeschrieben hatte, werde ich nach Lazybones auf jeden Fall noch in weitere Bände der Thorne-Reihe hineinlesen, da gibt es sicher noch etliche weitere Thriller, die mir gefallen könnten.

Samstag, 6. März 2021

Thriller-Rezension: Schweige still von Michael Robotham



Da gerade der zweite Teil von Michael Robothams neuer Serie um Cyrus Haven herauskam, habe ich mir ganz schnell Teil eins besorgt, damit ich nicht zu sehr in Rückstand gerate.

Ich hatte leichte Einstiegsschwierigkeiten, da ich ziemlich lange der Meinung war, der Fall, den es in Schweige still zu lösen gilt, sei der von Evie Cormac, genannt Angel Face.

Vor sechs Jahren, als sie ungefähr zwölf Jahre alt war, wurde sie in einem Haus in Nordlondon in völlig verwahrlostem Zustand in einem Geheimzimmer gefunden. Zuvor war in diesem Haus die Leiche eines zu Tode gefolterten Mannes gefunden worden.

Jetzt lebt Angel Face in einer psychiatrischen Anstalt, unter Vormundschaft des Staates. Da will sie raus, denn sie behauptet, mittlerweile volljährig zu sein. Der Psycholog Cyrus Haven wird um Mithilfe gebeten und bietet schließlich an, Evie für ein Jahr in Pflege zu nehmen.

Langsam dämmerte mir, dass Evie wohl als zukünftiger »Sidekick« von Cyrus aufgebaut werden sollte, und dass es in Schweige still primär um die Aufklärung des Mordes an einer Schülerin geht. Hierbei hilft Evie Cyrus auf extrem unkonventionelle Art.

Die beiden Charaktere Cyrus und Evie sind sehr komplex und dadurch interessant, wenn auch auf den ersten Blick ein wenig sperrig: Cyrus Haven, der exzessiv Sport treibende, über und über tätowierte Psychologe mit der traumatischen Vergangenheit und die nicht minder traumatisierte und absolut unberechenbare Evie Cormac. Beide sind schwer durchschaubar und waren für mich in diesem ersten Band noch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber ich bin mir sicher, dass ich bei ihrem zweiten Fall besser und schneller in die Story reinkommen werde als bei Schweige still.

Samstag, 1. August 2020

Rezension und Thrillerverlosung: Chris Carters Bluthölle


Bluthölle, der elfte Fall für Robert Hunter beginnt mit einem Taschendiebstahl. Das klingt harmlos, doch der Inhalt der gestohlenen Tasche hat es in sich. Die Diebin ist so schockiert, dass sie ihre Beute anonym den Behörden überlässt.

Zunächst müssen Hunter und Garcia feststellen, ob es sich vielleicht nur um das Produkt einer kranken Fantasie handelt, doch schnell wird klar, dass dem nicht so ist ... und die Jagd auf einen perfiden und skrupellosen Mörder, der mit unglaublicher Effizienz vorgeht, beginnt.

Wie immer zeichnet sich Written in Blood (so der Originaltitel) durch schnörkellose Sprache und kurze Kapitel aus. Der allwissende Erzähler mutet manchmal ein wenig ungewohnt an, steigert aber die Spannung noch. 

Ein weiteres Markenzeichen von Chris Carter ist, dass er viele seiner Kapitel mit einem Cliffhanger beendet (wobei es in The Caller noch viel auffallender war, dieses Mal geht er mit diesem Stilmittel sparsamer um), was das Buch natürlich zu einem absoluten Pageturner macht. Man denkt immer »nur noch dieses eine Kapitel«, dann endet das mal wieder mit einer Frage, die man unbedingt jetzt sofort beantwortet haben muss ... 

Diese Sogwirkung führte auch dazu, dass ich meine Lektüre heute früh um vier Uhr beendet habe. Ich musste einfach wissen, wie es ausgeht.

Ich habe nicht wirklich etwas an Written in Blood auszusetzen, nur im Showdown hat mich ein winziges bisschen gestört, dass sich Hunter und der Mörder ein wenig im Kreis gedreht haben, da gab es einige kleinere Wiederholungen, die mich leicht genervt haben. 

Außerdem kam dann die Backstory des Mörders mehr oder weniger auf einen Rutsch, da hätte ich mir gewünscht, dass das ein bisschen besser auf das gesamte Buch verteilt worden wäre. So hat es aus dem Showdown einfach zu sehr das Tempo herausgenommen.
Aber wenn ich mich darüber wirklich beschweren würde, wäre das Meckern auf ganz hohem Niveau.

Die deutsche Übersetzung erschien fast zeitgleich zum englischen Original, daher verlose ich ein Taschenbuch von Bluthölle. Alle, die sich ab heute (01. August 2020) bis zum 16. August 2020 (Mitternacht) für meinen Newsletter anmelden, nehmen an der Verlosung teil.

Hier geht's zur Anmeldung: KLICK

Du hast dich schon längst für meinen Newsletter eingetragen, willst aber trotzdem mitmachen? Dann sende bitte eine E-Mail mit dem Betreff „Verlosung: Bluthölle“ an [poriomaniacs AT 2die4 DOT com]


Das Kleingedruckte: 
Natürlich ist bei dieser Verlosung der Rechtsweg ausgeschlossen und der Gewinn kann nicht bar ausgezahlt werden. Der Gewinner wird am 17. August 2020 ausgelost und per E-Mail benachrichtigt. Das Buch wird nach Mitteilung der Adresse des Gewinners per Post versandt. Mit der Teilnahme wird mein E-Mail-Newsletter abonniert, der aber nicht allzu häufig (zurzeit maximal 1x im Monat) erscheint und über Neuerscheinungen, Gewinnspiele und Ähnliches informiert. Automatisch erhält auch jeder, der sich neu einträgt, meinen Kurzthriller Abblende als eBook. Natürlich kann der Newsletter jederzeit abbestellt werden. Die für das Gewinnspiel gemachten Angaben (Name und E-Mail-Adresse) werden nur für das Gewinnspiel und die Newsletter-Zusendung verwendet. Meine Datenschutzbestimmungen findet ihr hier https://deniseyokoberndt.blogspot.de/p/bio.html