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Freitag, 18. Juni 2021

Thriller-Rezension: Ich will dir nah sein von Sarah Nisi



Lester Sharp arbeitet beim Londoner Fundbüro und ist ein wenig seltsam. Dass er vielleicht nicht nur ein wenig seltsam ist, sondern sogar gefährlich, beginnt der Leser spätestens dann zu vermuten, als Erin in die leer stehende Wohnung direkt neben Lester einzieht.

Lester findet Erin nämlich nicht nur sehr attraktiv, er hat auch den Schlüssel zu ihrer Wohnung.

Mein Hauptgrund, Ich will dir nah sein zu lesen, war natürlich der Schauplatz. Das Haus, in dem Lester und Erin ihre Apartments haben, befindet sich in Limehouse, auch Hackney und Rotherhithe kommen als Schauplätze vor. London Fields und den Broadway Market habe ich auch schon erkundet, Rhys geht nachts, wenn er nicht schlafen kann, auf Skateboard-Tour durch Soho … das Lokalkolorit gefiel mir also sehr gut. 

Ich will dir nah sein bezieht seine Spannung gänzlich daraus, was Lester denkt, plant und tut. Wer auf actionreiche Thriller mit viel Tempo steht oder gerne bei einem komplizierten Mordfall mitkombiniert, ist hier natürlich ganz verkehrt. Wie Lester alles, jede winzige Kleinigkeit, die Erin tut oder sagt, verdreht und zu seinem Vorteil interpretiert, war einfach nur herrlich. Vor allem, wenn man dann am Schluss erfährt, dass sie ihm tatsächlich »Zeichen gesendet« hat, nur eben nicht so, wie er sich das gedacht hatte.

Der Twist am Schluss ist zwar überraschend, aber das Ende insgesamt ist für meinen Geschmack ein wenig zu unspektakulär. Dass der Epilog das, was Lester vor vielen Jahren getan hat, verwässerte, fand ich enttäuschend.

Das ist aber Jammern auf hohem Niveau, insgesamt hat mir Ich will dir nah sein großen Spaß gemacht, vor allem wegen der Charaktere und des Schauplatzes.

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