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Samstag, 11. Juli 2020

Making of ... Abbild - Schreiben



Meine Bücher schreibe ich in einem Programm namens Scrivener. Im Video am Ende dieser Seite, zeige ich euch mein Tablet mit dem fertigen Manuskript von Abbild.
Auf der linken Seite sind die einzelnen Szenen, farbig markiert nach Erzählperspektive: blau für meine Protagonistin Amber, rot für den Mörder und die nicht farbig markierten sind die Szenen aus der Sicht von Danny.
Normalerweise schreibe ich meine Bücher in der richtigen Reihenfolge, von der ersten bis zur letzten Szene und springe höchstens einmal, wenn ich bei einer Szene absolut nicht weiterkomme zur nächsten.
Das habe ich bei Abbild anders gemacht: Ich habe zuerst alle Szenen aus der Perspektive des Mörders geschrieben, die dann in eine Reihenfolge gebracht, die mir gefiel, und dann erst die Szenen aus Ambers und Dannys Blickwinkel quasi dazwischengeschrieben.
Das hat so gut funktioniert, dass ich selbst erstaunt war.
Abbild habe ich fast ausschließlich am Computer geschrieben, sonst schreibe ich auch oft von Hand, wenn ich unterwegs bin oder wenn ich grad eine Weile lang absolut keinen Bildschirm mehr sehen will.
Dazu habe ich für jedes Buch ein Notizbuch, aber das für Abbild ist längst noch nicht voll und überwiegend sind da auch Notizen zur Continuity drin, also Namen von Nebenpersonen, die genaue Schreibweise der Schauplätze, damit ich immer weiß, war das jetzt St. Dunstan oder St. Dunstan’s.
Als die Erstfassung von Abbild fertig war, habe ich das Ganze ausgedruckt, in ein paar Tagen komplett durchgelesen und dabei bestimmte Stellen farbig markiert und natürlich auch Änderungen von Hand auf den Ausdruck geschrieben.
Dann habe ich alle Änderungen eingearbeitet und Abbild ging an meine ersten Testleser.



Making of ... Abbild - Recherchen



Zur Vorbereitung auf Abbild habe ich einige Bücher über Kunst gelesen. Zum Beispiel "Young British Art", "33 Artists in 3 Acts" und natürlich einiges über die Präraffaeliten.
Zusätzlich verbrachte ich natürlich viel Zeit in London mit der Suche nach Schauplätzen. Eine Freundin, die geduldig mit mir diverse Gärten besuchte, weil ich ausbaldowern wollte, wo man am besten Leichen drapieren könnte, wollte dann gleich, dass ich eine Person im Buch nach ihr benenne. Habe ich natürlich getan!
Einige Szenen habe ich sogar vor Ort geschrieben, nämlich im Regent’s Park auf einer Parkbank sitzend, bei Waterstones Piccadilly - da saß ich auf dem Sofa, das im Buch erwähnt wird - und natürlich auch in der Tate Modern, wo ich mir erst alles ganz genau ansah und mich dann ins Café setzte und so lange schrieb, bis es dunkel war. Was meinen eigentlich für den Tag geplanten Bootstrip von der Tate Modern zur Tate Britain ins Wasser fallen ließ.
Außerdem war ich in Leighton House, dem früheren Wohnsitz des viktorianischen Malers Sir Frederic Leighton, wo ich unerwartete Inspirationen fand, sodass Leighton House auch zu einem Schauplatz in Abbild wurde ... was vorher nicht geplant war!

Mehr Einzelheiten zu meinen Recherchen im Video:





Donnerstag, 2. Juli 2020

Thrillerverlosung Gnadenengel und Umfrage


Gnadenengel, der zweite Band meiner London-Thriller-Reihe, ist gerade erschienen, am dritten Band schreibe ich im Moment und gleichzeitig sammle ich auch schon Ideen für Band vier.

Natürlich habe ich schon einiges an Notizen, aber ich würde gerne auch von euch wissen, ob es Orte in London gibt, die ihr gerne einmal als Schauplatz in einem meiner Thriller wiederfinden würdet?

Wart ihr schon in London und habt einen oder mehrere spezielle Lieblingsorte? Ganz egal, ob es sich um ein Pub, einen Club, eine Sehenswürdigkeit, einen Park, einen Straßenmarkt oder ein ganzes Stadtteil handelt, immer her mit euren Anregungen.

Und falls ihr London noch nicht besucht habt, wie würden euch die folgenden Vorschläge gefallen:

Würdet ihr gerne eine Szene lesen, die an Bord des schwimmenden Buchladens Word on the Water spielt?
Möchtet ihr einen der Lesesäle in der British Library besuchen?
Soll ich euch an einem Samstag auf den Broadway Market mitnehmen?

Word on the Water

Bitte sendet mir alle eure Ideen und Wünsche per E-Mail: poriomaniacs AT 2die4 DOT com.

Unter allen, die mitmachen, verlose ich ein Taschenbuch von Gnadenengel (auf Wunsch signiert und mit Widmung).

Das Kleingedruckte: 
Natürlich ist bei dieser Verlosung der Rechtsweg ausgeschlossen und der Gewinn kann nicht bar ausgezahlt werden. Der Gewinner wird am 9. Juli 2020 ausgelost und per E-Mail benachrichtigt. Das Buch wird nach Mitteilung der Adresse des Gewinners per Post versandt. Die für das Gewinnspiel gemachten Angaben (Name und E-Mail-Adresse) werden nur für das Gewinnspiel verwendet. Meine Datenschutzbestimmungen findet ihr hier https://deniseyokoberndt.blogspot.de/p/bio.html

Donnerstag, 21. Mai 2020

Thrillerverlosung: Die Frequenz des Todes: Auris von Vincent Kliesch nach einer Idee von Sebastian Fitzek


Der neue Fall des forensischen Phonetikers Matthias Hegel, den er gemeinsam mit Jula Ansorge, einer Podcasterin, zu lösen versucht, beginnt dramatisch: Der Notruf einer Frau, deren Baby verschwunden ist, bricht ab, bevor die Frau ihren Namen oder Aufenthaltsort verraten kann. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt …

Ich verlose nach Wahl des Gewinners ein Exemplar des Taschenbuchs oder des eBooks von Die Frequenz des Todes: Auris von Vincent Kliesch nach einer Idee von Sebastian Fitzek. Alle, die sich ab heute (21. Mai 2020) bis zum 07. Juni 2020 (Mitternacht) für meinen Newsletter anmelden, nehmen an der Verlosung teil.

Hier geht's zur Anmeldung: KLICK

Jeder der sich anmeldet, erhält zudem automatisch gratis meinen Kurzthriller Abblende. 

Du hast dich schon längst für meinen Newsletter eingetragen, willst aber trotzdem mitmachen? Dann sende bitte eine E-Mail mit dem Betreff „Verlosung: Auris 2“ an [poriomaniacs AT 2die4 DOT com]

Das Kleingedruckte: 
Natürlich ist bei dieser Verlosung der Rechtsweg ausgeschlossen und der Gewinn kann nicht bar ausgezahlt werden. Der Gewinner wird am 08. Juni 2020 ausgelost und per E-Mail benachrichtigt. Das Buch wird nach Mitteilung der Adresse des Gewinners per Post bzw. digital versandt. Mit der Teilnahme wird mein E-Mail-Newsletter abonniert, der aber nicht allzu häufig (zurzeit ca. 6 Mal pro Jahr) erscheint und über Neuerscheinungen, Gewinnspiele und Ähnliches informiert. Natürlich kann der Newsletter jederzeit abbestellt werden. Die für das Gewinnspiel gemachten Angaben (Name und E-Mail-Adresse) werden nur für das Gewinnspiel und die Newsletter-Zusendung verwendet. Meine Datenschutzbestimmungen findet ihr hier https://deniseyokoberndt.blogspot.de/p/bio.html

Making of ... Abbild - Idee & Inspiration


Mein erster London-Thriller Abbild ist am 1. Apri 2020 erschienen, die erste Idee zu diesem Buch hatte ich jedoch schon 2008.

Dass ich das noch so genau weiß, liegt daran, dass ich den Originalzettel, auf dem ich die ursprüngliche Idee notiert habe, immer noch habe.

Dieser Zettel mit der Idee lag lange rum, wurde aber nicht vergessen. Als ich im August 2011 nach Kanada flog, verbrachte ich einen Teil des langen Fluges damit, in einem kleinen Notizbuch Ideen zu sammeln. Von diesen Ideen schaffte es aber tatsächlich kaum etwas ins fertige Buch.

Damals wollte ich auch noch einen männlichen Protagonisten mit weiblichem Sidekick, das habe ich dann umgedreht. 

Was ewig gedauert hat, war, die für Abbild so wichtigen Gemälde zu finden. Meine erste Idee war, Gemälde aus der Londoner National Gallery zu nehmen, da verbrachte ich sogar mal einen kompletten Tag und schrieb mir die Titel sämtlicher Gemälde auf, die in Frage kommen könnten. Aber so wirklich toll fand ich das nicht.

Dann dachte ich darüber nach, ob ich nur Gemälde des Malers Caravaggio nehmen sollte, auch damit wurde ich nicht wirklich warm.

Jahre später kam ich auf die Idee mit den präraffaelitischen bzw. viktorianischen Gemälden und das funktionierte dann für mich. Als ich erst einmal acht Bilder zur Auswahl ausgesucht hatte, konnte ich endlich die Story richtig planen und natürlich boten die Gemälde selbst auch reichlich Inspiration …

Mehr zu meinen Recherchen im nächsten Blogbeitrag.

Begleitend zu diesem Blogpost gibt es auch ein Video auf YouTube, das erste einer vierteiligen Playlist zum Making of von Abbild. Die weiteren Videos werden jeweils donnerstags veröffentlicht.


Montag, 6. April 2020

Thriller-Verlosung: Abbild


Am 1. April erschien mein London-Thriller Abbild und die Veröffentlichung möchte ich mit einer Verlosung feiern.

Leider hat DHL das Paket mit meinen Autorenexemplaren verschlampt, darum seht ihr auf dem Foto als Platzhalter nur einen Buch-Flyer. Das Taschenbuch ist dann doch ein klein wenig größer.

Der Hauptpreis besteht aus einem Taschenbuchexemplar von Abbild sowie London-Goodies, zwei weitere Gewinner dürfen sich über je ein Taschenbuch von Abbild freuen.

Zum Mitmachen müsstet ihr euch zu meinem Newsletter anmelden und folgende Frage beantworten: 

Wo wird »Flaming June« gefunden?

a) Hyde Park b) Regent’s Park c) Kensington Palace Gardens d) Victoria Embankment Gardens

(Ein »Blick ins Buch« hilft euch hier weiter: bit.ly/Abbild1)

Mitmachen könnt ihr bis zum 19. April (Mitternacht), ausgelost wird dann am 20. April.

Zur Newsletter-Anmeldung geht es hier: KLICK

Du hast dich schon längst für meinen Newsletter eingetragen, willst aber trotzdem mitmachen? Dann sende bitte eine E-Mail mit der richtigen Lösung und dem Betreff „Verlosung: Abbild“ an [poriomaniacs AT 2die4 DOT com]

Das Kleingedruckte:
Natürlich ist bei dieser Verlosung der Rechtsweg ausgeschlossen und der Gewinn kann nicht bar ausgezahlt werden. Die Gewinner werden am 20. April 2020 ausgelost und per E-Mail benachrichtigt. Die Gewinne werden nach Mitteilung der Adresse der Gewinner per Post versandt. Mit der Teilnahme wird mein E-Mail-Newsletter abonniert, der aber nicht allzu häufig (zurzeit ca. 6 Mal pro Jahr) erscheint und über Neuerscheinungen, Gewinnspiele und Ähnliches informiert. Natürlich kann der Newsletter jederzeit abbestellt werden. Die für das Gewinnspiel gemachten Angaben (Name und E-Mail-Adresse) werden nur für das Gewinnspiel und die Newsletter-Zusendung verwendet. Meine Datenschutzbestimmungen findet ihr hier https://deniseyokoberndt.blogspot.de/p/bio.html

Mittwoch, 1. April 2020

Leseprobe Abbild

1

Er fuhr mit der Fingerspitze über ihre geschlossenen Augenlider. Dann trat er einen Schritt zurück und betrachtete sein Werk.
Perfekt.
Die Haare.
Das Kleid.
Die nackten Füße.
Die Pose.
Ein Meisterwerk.

2

Flaming June.
Ambers Kehle zog sich zusammen. Sie versuchte zu schlucken, doch ihr Mund war wie ausgetrocknet.
Sie konnte den Blick nicht von dem Foto lösen.
Von dem leichenblassen Gesicht, das sich an den linken Oberarm schmiegte, der eigenartig eingerollten Körperhaltung, dem einen sichtbaren bloßen Fuß, dem langen Haar.
Von dem hell leuchtenden, leicht transparenten orangenen Stoff des Kleides.
Als sie das Foto schließlich beiseitelegte und nach ihrem Wasserglas griff, zitterte ihre Hand.
»Was ist?«
Amber nahm einen Schluck, dann sah sie Chris an. »Kann ich bitte noch einmal das andere Foto sehen? Die Totalaufnahme meine ich.«
Chris reichte ihr das Foto.
Jetzt war es ganz eindeutig. Das, was ihr vorhin nur vage bekannt vorgekommen war, was nur eine flüchtige, kaum wahrnehmbare Vertrautheit gewesen war, stand klar und deutlich vor ihren Augen.
Die seltsame Haltung der beiden Körper, die mittelalterlich anmutende Kleidung, das längliche Stück Holz, das zwischen den leicht geöffneten Beinen des Mannes lehnte.
Amber zog den Fotostapel zu sich heran, sah ihn durch, nahm einige Bilder heraus, legte den Rest weg. Dann ordnete sie die Fotos an, die sie herausgesucht hatte.
Eine Totalaufnahme des ersten Fundorts, die beide Leichen zeigte, dann je eine Großaufnahme der männlichen und der weiblichen Leiche. Eine Detailaufnahme des großen, seltsam geformten Holzstücks.
»Was siehst du, was ich nicht sehe?«, fragte Chris.
Amber antwortete nicht. Sie legte eine Aufnahme des zweiten Fundorts unter die erste Fotoreihe. Dann zwei Detailaufnahmen. Vom Gesicht der Toten und von einem Zweig giftigen Oleander, der rechts neben ihrem Kopf positioniert war.
Ja, es war klar und deutlich.
Sie sah Chris an. Ihren Ex-Kollegen Detective Chief Inspector Christopher Walmsley von der Londoner Metropolitan Police.
»Love Among The Ruins«, sagte Amber und zeigte auf die obere Reihe Fotos.
Dann tippte sie mit dem Zeigefinger auf eines der Fotos der jungen Frau in Orange. »Und das ist Flaming June.«
»Ich verstehe nicht.«
Amber deutete auf Chris’ Tablet, das neben den Akten, die er mitgebracht hatte, auf dem Esszimmertisch lag. Er reichte es ihr, sein Blick immer noch ein einziges Fragezeichen.
Sie rief eine Internet-Suchmaschine auf und öffnete zwei Browsertabs. Als sie die gewünschten Suchergebnisse hatte, legte sie das Tablet auf die Tischplatte.
»Der Mörder stellt viktorianische Gemälde nach.« Sie deutete auf die Totalaufnahme des toten Pärchens. »Love Among The Ruins wurde von Edward Burne-Jones gemalt.« Ihr Zeigefinger wanderte ein wenig tiefer. »Flaming June ist das wohl bekannteste Werk von Frederic Leighton.«
»Gemälde?« Chris griff nach dem ersten Fundortfoto und hielt es direkt neben sein Tablet, dessen Bildschirm eine Abbildung von Love Among The Ruins zeigte.
Die Ähnlichkeit ist wirklich unverkennbar, dass ich das nicht gleich gesehen habe. Er musste mir erst June zeigen.
»Siehst du die Details? Das Stück Holz, das der Mann zwischen den Knien hält, soll dieses Musikinstrument hier darstellen. Ihr Kleid hat das gleiche leuchtende Blau.« Amber unterbrach sich, hob das Foto dicht vor ihr Gesicht und kniff die Augen zusammen. »Oder eher der Stoff, in den sie eingewickelt ist. Wenn ich das richtig sehe, ist das gar kein Kleid?« Sie sah Chris fragend an.
Der nickte. »Die Kleidungsstücke sind in allen drei Fällen einfach nur große Stücke Stoff, die kunstvoll um die Körper drapiert worden sind.«
»Wie hat der Täter es geschafft, die Leichen in diese Positionen zu bringen und dafür zu sorgen, dass sie auch so arrangiert bleiben?«
Chris zog eine der Aktenmappen zu sich heran und entnahm ihr weitere Fotos. »Durch ein kompliziertes System aus Holzstäben und Drähten, die er an den Leichen befestigt hat. Ihre Hände sind mit einem durchsichtigen Nylonseil zusammengebunden worden, damit sie um seinen Hals liegen bleiben. Und die Augen sind offen, weil er die Lider mit Sekundenkleber festgeklebt hat.«
Ich habe ja schon viel gesehen, aber das hier übertrifft wirklich alles.
Amber starrte die Fotos an, die Chris vor ihr ausgebreitet hatte. Der Täter musste diese bizarren Tableaus, in denen er seine Opfer inszeniert hatte, minutiös geplant haben. Eine Aufgabe, die sehr viel Zeit und Mühe, aber auch Herumprobieren erfordert haben musste.
Wer tut so etwas? Und warum?
»Du verstehst sicher, warum wir diesen Täter so schnell wie möglich fassen wollen?«
So schnell wie möglich fassen müsst, korrigierte Amber in Gedanken ihren Ex-Kollegen.
Sie blickte von den Fotos auf, sah Chris direkt in die ernsten Augen.
»Weil er es nicht bei diesen drei Morden belassen wird. Dieser Mörder wird weitermachen. Er hat das, was er tut, schon viel zu sehr perfektioniert, um jetzt aufzuhören.«
Amber stand auf und trat ans Fenster. Der Tag war grau und wolkenverhangen, doch der Garten hinter ihrem Haus war ein Farbenmeer. Ein kleines Stück vom Paradies in ihrem sonst so trüben Alltag. Ihr Rückzugsort.
»Ich will wirklich nicht in diese Sache hineingezogen werden«, sagte sie leise, Chris immer noch den Rücken zuwendend.
Ihr Blick glitt über die leuchtend pinken Fuchsien, weiter zu den tiefroten Beeren des Feuerdorns, den strahlend gelben Ringelblumen und dem Teppich aus blauen Ballonblumen. Dazwischen der sattgrüne Rasen.
Es hatte viele Wochen intensiver täglicher Arbeit gekostet, bis ihr Garten so geworden war, wie sie ihn sich gewünscht hatte. Davor hatte er lange Zeit brachgelegen. Dann hatte ihr die Gartenarbeit bei der Bewältigung ihrer Trauer geholfen.
Nicht, dass ich nicht mehr trauern würde. Wahrscheinlich werde ich den Rest meines Lebens trauern. Aber immerhin fühle ich mich nicht mehr so, als könnte ich keine Luft mehr bekommen. Immerhin kann ich wieder atmen.
Doch im Moment fiel ihr das Atmen schwer. Das Wissen, dass ein Serienmörder junge Menschen tötete, um dann mit ihren Leichen Gemälde nachzustellen, drückte wie ein Felsblock auf ihre Brust.
Amber lehnte die Stirn gegen die Fensterscheibe und schloss die Augen. Genoss einen Moment lang die Kühle des glatten Glases an ihrer Haut.
Ich will damit nichts zu tun haben. Mit der Gewalt, dem Schmerz. Ich will einfach nur meine Pflanzen gießen und alles andere vergessen.
Ein anderer Gedanke drängte sich in den Vordergrund, eine Frage, die sie Chris bislang noch gar nicht gestellt hatte, weil sie zu sehr von der Erkenntnis eingenommen gewesen war, dass der Mörder Gemälde nachbildete.
Sie drehte sich um.
Chris saß ruhig auf seinem Stuhl und sah sie einfach nur an.
»Wie hat er sie umgebracht?«
Die Gesichter der Leichen hatten völlig unversehrt ausgesehen. Keine Einblutungen in den Augen, keine Verätzungen der Lippen oder Mundwinkel.
»Es hat eine Weile gedauert, bis der Gerichtsmediziner daraufkam. Die Körper waren äußerlich vollkommen unbeschadet. Als der toxikologische Befund negativ war, hat er auf Insulin getestet.«
Insulin, natürlich. Sauber und unauffällig.
Langsam ging sie zu ihrem Stuhl zurück und setzte sich. »Er hat ihnen eine Überdosis Insulin injiziert?«
»In den Bauchnabel«, bestätigte Chris. »Darum wurde bei der Autopsie der Einstich nicht sofort gefunden.«
Amber klopfte mit dem Zeigefinger gegen die Tischkante. »Er wollte, dass die Opfer keinerlei Anzeichen eines gewaltsamen Todes aufweisen.« Sie wischte über das Display des Tablets, rief erst Love Among The Ruins, dann Flaming June auf den Bildschirm. »Er wollte, dass sie aussehen, als seien sie noch lebendig. Oder als würde June nur schlafen und jeden Moment wieder aufwachen.«
»Damit könntest du recht haben.«
Amber schob das Tablet von sich weg und lehnte sich zurück. Drehte den Kopf, sah zum Fenster. Ihren Garten konnte sie von hier aus nicht sehen. Aber sie sah ihn in seiner ganzen Farbenpracht vor ihrem geistigen Auge. Meinte, den Duft des feuchten Grases zu riechen und das Summen der Bienen an einem sonnigen Sommertag zu hören.
Wenn du dich auf diese Sache einlässt, wirst du so schnell keinen ruhigen Sommertag mehr haben.
»Genau deswegen hätte ich dich wirklich gerne im Team«, sagte Chris mit leiser Stimme. »Wir hatten überhaupt keine Ahnung, warum der Täter die Opfer so arrangiert haben könnte. Wir haben uns alle die Köpfe zerbrochen, was diese seltsamen Posen bedeuten sollten. Du hast es mit einem Blick erkannt. Das wird unsere Ermittlungen bereits einen riesigen Schritt voranbringen.«
Voranbringen? In welche Richtung?
»Ich wüsste nicht, wie ...«
Chris legte eine Hand auf Ambers Unterarm und unterbrach sie. »Du siehst Dinge, die andere nicht sehen. Das war schon immer so. Du hast einen unglaublich guten Instinkt, kannst dich in andere hineinversetzen, in ihr Denken, ihr Fühlen, ihre Motivation.«
Wie oft habe ich mir schon gewünscht, ich könnte das nicht. Mein Leben wäre so viel leichter.
Sie wandte sich wieder zu Chris um. Sah den Blick in seinen Augen. 
»Wir brauchen dich«, sagte er leise. »Dringend.«
Ja, damit hat er wohl recht.